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Thursday, 23 December 2010
Am 28.11.2010 veröffentlichte die Internetplattform WikiLeaks Hunderttausende diplomatische Fernschreiben, Protokolle und Memos des U.S. State Department, dem amerikanischen Auswärtigen Amt. Diese Dokumente enthielten unter anderem abschätzige und beleidigende Bewertungen anderer Staatsoberhäupter, darunter dem englischen, französischen, italienischen und russischen. Auch wurden US-Diplomaten angewiesen, ihre internationalen Kollegen zu bespitzeln: Kreditkarten- und Handynummern anderer Diplomaten sollten gesammelt werden, sowie Fingerabdrücke auf Cocktailgläsern und sogar Haarproben.

In den amerikanischen und europäischen Medien wurde all dies als peinlicher Skandal beschrieben. Bezeichnenderweise hat sich die US-Außenministerin Hillary Clinton jedoch nicht für die Unverschämtheiten in den diplomatischen Papieren entschuldigt. Statt dessen verwies sie darauf, dass diese Dokumente für den internen Gebrauch der US-Regierung verfasst wurden, die Beleidigungen also nie die Ohren ihrer Opfer erreichen sollten. Und natürlich rief sie zu größerer Geheimhaltung auf und kritisierte WikiLeaks Mitbegründer Julian Assange.

Kurz danach stellte Interpol einen internationalen Haftbefehl für Assange aus, weil ihm in Schweden ein Sexualverbrechen vorgeworfen wird. Und Amazon, auf dessen Servern die WikiLeaks-Plattform gespeichert wurde, erteilte der Enthüllungswebsite einen Platzverweis: Ab sofort müsse WikiLeaks einen anderen Hostcomputer finden.
Alles klar? Von wegen!

Ich lebe seit fast 25 Jahren im Gefängnis, der perfektionierten totalitären Gesellschaft. Hier gibt es Menschen, die absolute Macht haben und Untermenschen, die ihnen völlig ausgeliefert sind. Weil es vergleichsweise wenige Herrscher und eine Überzahl Untermenschen gibt, müssen die Herrscher Gewalt und Manipulation anwenden, um Kontrolle auszuüben. Menschen, die so etwas interessiert – und ich bin einer von ihnen -, können im Gefängnis ganz genau beobachten, wie eine Minderheit effektiv und effizient eine Mehrheit knechten kann. Dafür gibt es Methoden und Prozeduren!

Und diese totalitären Methoden und Prozeduren, die man sozusagen "sauber" im Labor des Gefängnisses studieren kann, werden natürlich auch in Ihrer Welt, der angeblich freien, angewandt. Denn auch bei Ihnen herrscht ja eine verschwindend kleine Minderheit über eine riesige Mehrheit, durch Gewalt und Manipulation – genau wie bei uns. Nur ist das in Ihrer Welt nicht ganz so offensichtlich, weil es bei Ihnen mehr Ablenkungen von der brutalen Realität gibt. Sie sehen Ihre „Gefängniswächter“ nicht, weil Sie so viel Kabelfernsehen und Internetklimbim haben. Aber Gefangene sind Sie auch.

Davon handelt ja dieser Blog: Von der Idee, dass meine und Ihre Welt gar nicht so anders sind, dass die gleichen Kontrollmechanismen in beiden Welten angewandt werden. Mein erster Blogeintrag zum Beispiel beschrieb die Parallelen zwischen Hartz-IV Regelsatzangleichungen und Knastjobs; dann kamen noch Einträge über Überwachungskameras und Hunger. Wieder andere Einträge beschrieben die propagandistische Begleitung und Unterstützung der Kontrollmechanismen: Die Darstellung von Kriminalität und Verbrechen in den Medien, in Kürze werden Sie etwas über die Opferschutzbewegung lesen können und so weiter und so fort.

Doch all dies sind sozusagen interne Beispiele meiner These, sie finden alle innerhalb einer Gesellschaft statt. In diesem Blogeintrag möchte ich einen neuen Gedanken aufgreifen: Auch internationale Beziehungen laufen über dieselben Kontrollmethoden und -prozeduren wie im Gefängnis. Selbst auf diplomatischer Ebene, zwischen Staaten, gibt es eine mächtige Minderheit, die durch Gewalt und Manipulationen eine machtlose Mehrheit knechtet. Und die dazu eingesetzten Vorgehensweisen sind genau dieselben, die die Gefängniswächter hier bei mir hinter Gittern anwenden.

Darum dreht es sich meiner Meinung nach bei der angeblichen WikiLeaks-"Enthüllung". Mit den Gänsefüßchen will ich andeuten, dass es gar keine tatsächliche Enthüllung gab: Das war Absicht, das war Methode. Und ich habe diese Methode schon so oft im Gefängnis beobachtet.

Erlauben Sie mir, Sie in die Geheimnisse effektiver und effizienter Knechtung einzuweisen.

An erster Stelle kommt natürlich Gewalt. Sie ist immer notwendig, doch sollte sie so selten wie möglich eingesetzt werden, denn letztlich ist Gewalt ineffizient und gefährlich. Per definitionem sind die Herrscher in der Minderheit, also können sie gar nicht alle Mitglieder der unterworfenen Mehrheit direkt, durch Gewaltanwendung, kontrollieren. Die Herrscher können immer nur einzelne Sklaven niedermachen, indem sie ihre Kräfte vorübergehend konzentrieren. Dafür müssen die Herrscher jedoch anderswo kurzfristig Kräfte abziehen, was dort dann die Kontrolle, die Machtausübung gefährdet. Deshalb sollte Gewalt nur als Ultima Ratio eingesetzt werden.

Viel, viel effizienter und letztlich auch effektiver ist die Androhung von Gewalt. Mit der Drohung von Gewalt können Herrscher unvergleichbar viel mehr Untermenschen in Schach halten als mit tatsächlicher Anwendung von Gewalt. Damit die Sklaven aber auch wirklich Angst haben, muss die Drohung natürlich glaubhaft sein – weshalb es gelegentlich absolut notwendig ist, Gewalt tatsächlich auszuüben. Jedes Mitglied der unterworfenen Mehrheit muss überzeugt werden: Die Gewalt kann jederzeit auch mich treffen! Dieses Gefühl der Unsicherheit ist ein besonders effektiver Kontrollmechanismus, weil Menschen die Unsicherheit kaum ertragen können. Um sich davor zu retten, werden fast alle Knechte sich den Befehlen der Herrscher mit vorauseilendem Gehorsam unterwerfen.

Ausnahmen gibt es allerdings immer, was natürlich für die Herrscher sehr gut ist. Ungehorsame Untermenschen liefern den Herrschern nämlich die Gelegenheit, ein Exempel zu statuieren, die Androhung der Gewalt glaubhaft zu machen und die Mehrheit der Sklaven einzuschüchtern. So wichtig ist diese öffentliche, gewalttätige Abstrafung unfolgsamer Knechte, um die Kontrolle der Minderheit über die Mehrheit zu festigen, dass die Herrscher "ihre" Rebellen und Kriminellen gelegentlich sogar erfinden müssen. Der Masse der Untermenschen muss immer wieder und wieder beigebracht werden: Wenn ihr euch nicht benehmt, werdet ihr genauso niedergemacht wie diese Bösewichte!

Diese Lektion erteilt man am besten dadurch, dass die Gewaltanwendung ganz unverhältnismäßig ist. Sie sollte viel brutaler als eigentlich notwendig sein, wirklich schockierend und schrecklich. Das jagt den Sklaven richtig große Angst ein!

Auch ist es sehr hilfreich, nicht alle Details der Abstrafung publik werden zu lassen. Angst hat nämlich viel mit Vorstellungskraft und Fantasie zu tun: Man stellt sich vor, was kommen könnte. Aus der Perspektive der Herrscher ist es also gut, die Knechte nicht alles wissen zu lassen, damit sie sich so richtig schön ausmalen können, wie fürchterlich und grausam die Ungehorsamen büßen müssen. Dabei ist es dann hilfreich, Gerüchte zu säen, um den Angstfantasien Nährstoff zu geben. Man könnte zum Beispiel über WikiLeaks... aber nein, da eile ich voraus!

Also, das Obige war die Theorie der Knechtung, wenden wir uns nun ein paar konkreten Beispielen zu. In meinem Gefängnisabteil gab es vor einigen Tagen eine Schlägerei zwischen zwei Insassen, die eine Intervention der sogenannten "tactical unit", der Eingriffstruppe der Wächter, auslöste. Urplötzlich waren 15 bis 20 behelmte Hünen mit Schildern, Schlagstöcken und Pfefferspray da und schlugen die zwei kämpfenden Insassen zu Boden. Pfefferspraywolken waberten durchs ganze Abteil, es wurde laut geschrien und herum gerannt, die zwei unfolgsamen Sklaven wurden an Hand und Fuß in Ketten gelegt und obwohl sie sich gar nicht mehr wehrten, wurden sie von je sechs Herrschern aus dem Abteil herausgetragen.

So etwas habe ich seit einigen Jahren nicht so direkt und hautnah miterlebt – wie gesagt, Gewalt wird selbst im Gefängnis überraschend wenig angewandt. Das Ganze war ja auch für die Herrscher gefährlich, denn um so viel Macht auf dieses eine Abteil zu konzentrieren, mussten Wächter aus allen anderen Abteilen des Gefängnisses abgezogen werden. All zu oft dürfen die Herrscher so etwas nicht riskieren!

Das wirklich Wichtige an diesem Einsatz der "tactical unit" war jedoch nicht, diesen einen Kampf zwischen zwei Insassen zu unterbrechen, sondern: Ein Exempel zu statuieren, um uns Untermenschen Angst einzujagen. Durch diesen einen Einsatz wurden die anderen 50 bis 60 Mann in diesem Abteil sehr effektiv eingeschüchtert und unter Kontrolle gebracht. Das ist effizient!

Die Unverhältnismäßigkeit der Gewaltanwendung – 15 bis 20 Wächter für 2 Insassen – war ein wichtiges Bestandteil des Erfolgsrezepts, sowie auch die Tatsache, dass die beiden Ungehorsamen sofort weggebracht wurden. Nachdem die Tür zum Abteil sich hinter ihnen schloss, konnten wir anderen gar nicht sehen, was den zwei Kämpfern sonst noch angetan wurde. Wie lange blieben sie in Ketten gelegt, bis ihnen die Gelegenheit gegeben wurde, das ätzende Pfefferspray aus ihren Augen zu waschen? Wurden sie in den Strafzellen noch einmal vermöbelt, oder ließ man sie allein? Solche Fragen sollten wir uns stellen, das ist ein Teil der totalitären Methode.

Nun ein Beispiel aus Ihrer Welt: Die Bürgerproteste beim Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21". Was ist das Wichtigste daran? Dass der Einsatz von unverhältnismäßiger Gewalt – Wasserkanonen, Pfefferspray, Schlagstöcke – im Fernsehen gezeigt wird! Sie, alle Bürger Deutschlands, sollen das sehen. Aus der Sicht der Herrscher ist es gut, dass Sie sich entrüsten und das alles mit Ihren Freunden durchsprechen, immer wieder und wieder. Was letztlich hängen bleiben wird, ist nämlich die Angst: In Zukunft werden Sie und Ihre Freunde es sich sehr genau überlegen, ob Sie bei ähnlichen Protesten in Ihrer Stadt mitmachen werden. Denn Pfefferspray ätzt schrecklich!

Und jetzt ein Beispiel aus der internationalen Arena: der Irakkrieg. Natürlich war der eigentliche Kriegsgrund nie die vorgebliche Gefahr der Massenvernichtungswaffen, das ist seit Jahren bekannt. Was vielleicht in Deutschland weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass bereits 2003 – also schon vor Kriegsbeginn – in den USA ganz öffentlich die Idee besprochen wurde, dass man die gesamte islamische Welt zum vorauseilenden Gehorsam zwingen könnte, indem man ein einziges arabisches Land angreift und besetzt. Dabei zitieren die Amerikaner sogar ein arabisches Sprichwort: "Schlag den Hund um seinem Eigentümer Angst einzujagen".

Um diese Strategie durchzuführen, hätte eigentlich jedes beliebige arabische Land dienen können. Doch man wählte den Irak, weil er so schwach zu sein schien, und weil man das Schreckgespenst der Massenvernichtungswaffen an die Wand malen konnte. Das war ein schrecklicher Irrtum: Wie oben erwähnt, ist tatsächliche Gewaltanwendung ein ineffizienter und gefährlicher Kontrollmechanismus.

Viel effektiver ist die Androhung der Gewalt und so gesehen war der Irakkrieg trotz allem ein Erfolg für die USA. Seitdem riskiert nämlich kein anderes arabisches Land, die Wut dieser durchgedrehten, schießwütigen Amis auf sich zu ziehen. Um zu vermeiden, der nächste Saddam Hussein zu werden, kooperieren alle arabischen Staatsoberhäupter, ausnahmslos, mit dem CIA und dem US-Militär. Sie sind durch den Irakkrieg eingeschüchtert worden – genau wie wir Gefangenen durch den massiven Einsatz der "tactical unit" in meinem Abteil.

Doch Gewalt und die Androhung der Gewalt sind nur das Fundament, die Ecksteine der effektiven Knechtung. Um eine versklavte Mehrheit über längere Zeiträume in Schach zu halten, muss die herrschende Minderheit viele andere Kontrollmechanismen einsetzen. Mich fasziniert die Vielfalt dieser Methoden: Hoffnung, Liebe, Sex, Gott, alles kann eingesetzt werden und wird auch tatsächlich eingesetzt, um die Untermenschen zu unterwerfen. Doch in diesem Blogeintrag möchte ich mich auf die absichtliche Beleidigung konzentrieren, denn darum dreht es sich meiner Meinung nach bei der angeblichen WikiLeaks-Enthüllung der amerikanischen diplomatischen Papiere.

Um Sklaven zu halten, muss man sie ständig erniedrigen. Man muss sie immer wieder und wieder wissen lassen, dass sie schwach und machtlos sind und sich von ihren Herrschern alles gefallen lassen müssen. In dieser Hinsicht ist es sogar hilfreich, wenn die Knechte ihre Herrscher etwas hassen; denn der Hass ist ja ein Zeichen dafür, dass sie sich ihrer Machtlosigkeit bewusst sind.

Meistens sollte diese Erniedrigung nicht zu weit getrieben werden, damit der Hass der Untermenschen nicht überschäumt und zur konkreten Auflehnung gegen die Herrscher führt. Doch selbst wenn so etwas doch einmal passiert, bietet das bloß eine weitere Gelegenheit zur demonstrativen Gewaltanwendung. Herrscher wissen alles zu nutzen.

Im Gefängnis wird diese Methode tagtäglich angewandt. Zum Beispiel werden wir Insassen viermal am Tag in den Zellen gezählt und müssen dazu aufstehen. Es gibt eigentlich gar keinen Grund, warum wir aufstehen müssen – zählen könnte man uns auch während wir sitzen oder liegen – aber die vier Zählungen bieten vier Gelegenheiten, uns zum widerwilligen Gehorsam zu zwingen. Es ist gut für die Menschen, dass wir Sklaven uns viermal täglich darüber ärgern, aufstehen zu müssen. Unser Ärger erinnert uns daran, dass wir Sklaven sind und gehorchen müssen.

Ähnlich ist es mit der Anrede. Wir Insassen werden von den Wärtern immer nur mit Nachnamen angesprochen. „Söring, kommen Sie mal her!“ Doch wir müssen die Wärter mit "Mr." oder mit dem Dienstgrad ("Sergeant" oder "Lieutenant" oder was auch immer) ansprechen. In unseren Augen ist das jedes Mal eine Beleidigung, eine Erniedrigung! Aber wir nehmen es zähneknirschend hin – und werden auf diese Weise an unsere Versklavung gewöhnt. Gerade dieses Herunterschlucken des eigenen Ärgers ist es, was uns knechtet – und das ist es, was die Herrscher durch solche absichtlichen, kleinen Beleidigungen erzeugen wollen.

Genau daran dachte ich, als ich von der WikiLeaks-Veröffentlichung der amerikanischen diplomatischen Papiere hörte. In diesen Tagen geht es David Cameron, Nicolas Sarkozy und Silvio Berlusconi genau wie mir! Sie werden öffentlich gedemütigt als "Leichtgewicht", "Kaiser ohne Kleider", und "nutzlos, eitel und ineffektiv" - doch sie dürfen keine Entschuldigung fordern, sie können nicht zurückschimpfen oder sonstwie ihrer Wut Ausdruck verschaffen. Stattdessen werden sie alle Präsident Obama beim nächsten Gipfeltreffen ins Gesicht lächeln müssen und so tun, als ob alles in Ordnung sei. Sie müssen es! Denn Obama ist der Herrscher, und sie sind die Knechte. Ganz wie bei mir im Gefängnis.

Mit der WikiLeaks-Veröffentlichung ist den Amerikanern also ein großer Coup gelungen. Der ganzen Welt haben sie wieder einmal gezeigt, wer wirklich Macht hat – und wer nicht. Nur die Vereinigten Staaten können die Staatsoberhäupter anderer Länder reihenweise, sozusagen en masse, ohrfeigen – ohne sich dafür entschuldigen zu müssen! Denn genialerweise wurde WikiLeaks nicht nur die Datei mit den diplomatischen Papieren, sondern auch die Verantwortung zugespielt. Außenministerin Clinton kann sich deshalb sogar in die Opferrolle werfen und die selben Staatsoberhäupter, die ihre Diplomaten beleidigt haben, um Verständnis und Mitgefühl bitten. Einfach schrecklich, dieser Geheimnisverrat!

Sie meinen, es gäbe keine Hinweise darauf, dass dies alles Absicht war? Da bin ich anderer Meinung!
  • Erstens muss man bedenken, wer öffentlich beleidigt wurde – und wer nicht. Zum Beispiel gab es über das chinesische Staatsoberhaupt Hu Jintao anscheinend kein einziges kritisches Wort in den gesamten 250.000 Dokumenten, die WikiLeaks überreicht wurden. Wenn man sich überlegt, wie geradezu besessen die Amerikaner heutzutage von der gefährlich wachsenden Macht der Chinesen sind, muss einen dieser Umstand schon recht nachdenklich stimmen.
    Interessanterweise wurde übrigens auch die Regierungschefin des in amerikanischen Augen mächtigsten Landes in Europa fast überhaupt nicht beleidigt: "Selten kreativ" war anscheinend das Schlimmste, was US-Diplomaten zu Bundeskanzlerin Angela Merkel einfiel. Die wirklich üblen Verleumdungen wurden an die Staatsoberhäupter zweitrangiger Länder gerichtet. Wie sagten es die Amerikaner 2003 bei den Vorbereitungen zum Irakkrieg? "Schlag den Hund um seinem Eigentümer Angst einzujagen!" Mit anderen Worten: "Frau Merkel, wenn Sie nicht spuren, ohrfeigen wir Sie genauso öffentlich, wie wir es mit den Herren Cameron, Sarkozy und Berlusconi taten!"
  • Zweitens sehe ich in der Qualität der bei WikiLeaks veröffentlichten State Department Depeschen einen weiteren Hinweis darauf, dass die „Enthüllung“ geplant wurde. Von den 250.000 diplomatischen Papieren waren nämlich nur 15.000 als "geheim" eingestuft, und bloß 4.300 als "streng geheim". Ganz offensichtlich wurde rigoros vorsortiert, was WikiLeaks bekam – und was nicht.
  • Drittens ist es doch mehr als verdächtig, dass das US-Militär uns glauben machen will, dass wieder einmal ein einfacher Gefreiter namens Bradley Manning an allen drei großen WikiLeaks-"Enthüllungen" ganz allein Schuld sei: den Irakkrieg-Dokumenten, den Afghanistankrieg-Dokumenten und nun den State Department-Dokumenten. Haben wir diese Geschichte nicht schon einmal gehört? Ach ja, beim Abu Ghraib-"Skandal" – auch da waren es angeblich nur ein paar Gefreite und Feldwebel, die alles ganz allein taten, ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten. Wer´s glaubt, wird selig.
Natürlich beweisen die drei obigen Argumente noch lange nicht, dass die WikiLeaks-Veröffentlichung absichtlich geschah, um amerikanische Macht zu beweisen und Staatsoberhäupter quer durch die Welt daran zu erinnern, wer Herrscher ist und wer Knecht. Es könnte alles Zufall gewesen sein! Schließlich wusste der Eingreiftrupp der Wächter in meinem Gefängnis auch nicht, dass sich an jenem Tag zwei Insassen in meinem Abteil prügeln würden, womit sich dem Eingreiftrupp die Gelegenheit bot, die beiden ganz schrecklich zu verprügeln und die anderen Männer im Abteil dadurch einzuschüchtern. Auch dieser Zwischenfall war in gewisser Weise ein Zufall.

Was jedoch kein Zufall war, das war die Art und Weise, in der die Herrscher diesen Zufall ausnutzten, um Angst zu verbreiten und ihre Macht über uns Sklaven auszuweiten. So ist es bei uns im Gefängnis, so ist es bei Ihnen in der "freien" Welt.
Posted by: AB AT 08:00 am   |  Permalink   |  Email

11-minütiger Ausschnitt aus dem ZDFzoom-Beitrag

Keine Gnade für Häftling 179212?
ZDFzoom, 29. Juni 2013

Die Szenen mit den Aussagen der ehemaligen stellv. Generalstaatsanwältin von Virginia Gail Marshall und dem ehemaligen Ermitler Major Ricky Gardner im Original auf youtube.com

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