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Wednesday, 28 September 2011
Im ersten Teil dieser Serie erläuterte ich die soziologischen Ursachen von Justizirrtümern wie jene der West Memphis Three und meinem. Letztlich geht es dabei nicht um Recht und Gesetz, sondern um das Bedürfnis wirtschaftlich und kulturell verunsicherter Bewohner ländlicher Regionen, das mit dem Stadtleben verbundene Böse oder Sündhafte aus ihrer Mitte zu vertreiben.

Zu diesem Zweck suchen sie sich Außenseiter wie die West Memphis Three, einen Ausländer wie mich, oder den "Allzwecksündenbock": einen Schwarzen.

Jahrzehnte später werden dann DNS-Tests durchgeführt, die die Unschuld der Justizopfer beweisen und es gibt ein "Happy End". Schön wär's! Tatsächlich gibt es nur bei 10% aller Verbrechen DNS-Beweise, die getestet werden können. Also kann man 90% der Justizopfer gar nicht helfen, denn Berufungsgerichte verlangen heutzutage DNS-Tests – und nichts anderes! – bevor sie sich dazu durchringen, einen Fehler einzugestehen.

Doch selbst in den 10%  aller Kriminalfälle, in denen es überhaupt DNS- testbare Beweismaterialien gibt, sind die Testergebnisse nicht unbedingt einwandfreie Beweise der Unschuld. Bei den West Memphis Three gab es genau das gleiche Ergebnis wie bei mir: Unsere DNS wurde nicht an den Tatorten gefunden (sehr wohl jedoch die DNS anderer).

Doch das beweist noch lange nicht, dass wir unschuldig sind. Vielleicht hatten die West Memphis Three und ich einfach wahnsinniges Glück, vielleicht gibt es eine Erklärung für die Anwesenheit der DNS von Drittpersonen am Tatort. Irgendwie könnten die West Memphis Three und ich trotz allem schuldig gewesen sein.

Wieso also kamen die West Memphis Three am 19. August 2011 frei und ich nicht? Weil die Gesetzeslage in Arkansas anders ist als in Virginia, weil die West Memphis Three nicht zum Politikum in einem wichtigen U.S.-Senatswahlkampf wurden, und weil es Druck von außerhalb des Bundesstaats gab.

Die Berichterstattung über die West Memphis Three in den deutschen Medien war leider etwas oberflächlich und teilweise schlicht falsch. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, dass diese drei Männer entlassen wurden, weil die DNS-Tests ihre Schuld in Frage stellten. Das mag teilweise nicht falsch sein – aber richtig und vollständig ist diese Erklärung bestimmt nicht.

Aufgrund der im Jahr 2007 durchgeführten DNS-Tests stellten die Anwälte der West Memphis Three einen Antrag auf eine Anhörung, bei der verhandelt werden sollte, ob es einen neuen Prozess geben sollte. Dieser Antrag wurde im September 2008 in erster Instanz abgelehnt, und die West Memphis Three gingen in Berufung zum höchsten Gerichtshof Arkansas', dem Arkansas  Supreme Court.

Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass der Vorsitzende der Jury in Echols' und Baldwins Prozess den anderen Geschworenen bei der Aushandlung des Urteils von dem Geständnis Misskelleys erzählte. Doch dieses Geständnis wurde vom Richter bei Echols' und Baldwins Prozess nicht zugelassen. Ein schwerer Verfahrensfehler.

Daraufhin ordnete der Arkansas Supreme Court im November 2010 an, dass es doch eine Anhörung geben würde, ob es einen neuen Prozess geben sollte. Diese Anhörung sollte Ende diesen Jahres (2011) stattfinden.

Ich habe die Urteilsbegründung des Arkansas Supreme Court nicht gelesen und habe auch keine Möglichkeit sie von LEXIS/NEXIS anzufordern, denn ich habe keinen Internetzugang.

Aber ich kenne mich ziemlich gut mit dem U.S.-Krimininalrecht aus, sozusagen berufsbedingt. Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass die DNS-Testergebnisse von 2007 nicht der entscheidende Grund für die Anordnung der neuen Anhörung waren – sondern vielmehr die Entdeckung, dass die Jury in Echols' und Baldwins Prozess ihr Urteil zumindest teilweise aufgrund eines Beweises (nämlich Misskelleys Geständnis) erreichten, welcher aber ausdrücklich nicht zugelassen war. So etwas wiegt in der amerikanischen Rechtsprechung im allgemeinen viel, viel schwerer als DNS-Testergebnisse, die auf verschiedene Weise gedeutet werden können und die Unschuld der angeblichen Täter nicht einwandfrei beweisen.

Nachdem der Arkansas Supreme Court diese Anhörung anordnete, bestand für den zuständigen Staatsanwalt Scott Ellington die Gefahr, dass ein neuer Prozess dann auch tatsächlich angeordnet werden könnte - und dass er diesen womöglich verlieren könnte. Dies war letztlich der entscheidende Grund, warum Staatsanwalt Ellington einwilligte, die West Memphis Three zu entlassen – so sagte er der New York Times, siehe Campbell Robertson, "Rare Deal Frees 3 in '93 Arkansas Child Killings", New York Times, 20. August 2011. 

Die Staatsanwaltschaft wollte das Risiko einer öffentlichen Blamage vermeiden, doch man bleibt weiterhin von der Schuld der West Memphis Three überzeugt: "Wir glauben nicht, dass es jemand anderes gibt, der die Tat verübte", so Ellington.

Überraschenderweise sagte Herr Ellington, er habe sich außerdem Sorgen gemacht, dass es bei einem möglichen Freispruch der Drei zu einer Schadensersatzklage in Millionenhöhe kommen könnte. Das nehme ich dem Herrn Ellington nicht ab, denn jeder Staatsanwalt in den USA weiß von dem neuen Urteilsspruch im Fall Connick v. Thompson des höchsten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, dem U.S.-Supreme Court. Demzufolge ist es in Zukunft praktisch unmöglich für Justizopfer, erfolgreich auf Schadensersatz bei Fehlurteilen zu klagen.

Nun ja, auf jeden Fall gelang es den West Memphis Three, am 19. August freizukommen – nicht weil irgendjemand an ihrer Schuld zweifelte, sondern weil der Staatsanwalt Angst hatte, dass ein neuer Prozess angeordnet werden könnte. Doch diese Gefahr besteht bei mir nicht, also habe ich keinerlei Hoffnung, dass ich auf ähnliche Weise freikommen könne.

In den Vereinigten Staaten kocht jeder Bundesstaat sein eigenes juristisches Süppchen. In Virginia gibt es zwei Gesetze, die zumindest theoretisch das Wiederaufrollen von Fehlurteilen ermöglichen sollen: der "writ of acutal innocence for biological evidence" und den gleichnamigen "writ" für "non-biological evidence".

Der erste "writ" ist für DNS-Testergebnisse gedacht, die DNS ist das "biologische Beweismaterial". Wenn man entdeckt, dass die Polizei irgendwelche ungetestete Spuren in der Asservatenkammer herumliegen hat, kann man unter diesem "writ" beantragen, DNS-Tests durchführen zu lassen.

Nur wird das fast nie erlaubt. Denn bevor der Test überhaupt angeordnet und durchgeführt wird, muss der Antragsteller (also der Insasse) einen Richter davon überzeugen, dass "kein rationeller gerichtlicher Beurteiler der Fakten eine Schuld feststellen kann, die über einen begründbaren Zweifel ('beyond a reasonable doubt') erhaben ist", im Angesicht der erwarteten DNS-Testergebnisse.

Das hört sich schrecklich kompliziert an, was auch Absicht ist, aber bitte geben Sie nicht auf, ich erkläre es Ihnen. Also: Der Antragsteller muss dem Richter sagen, welche Spuren er DNS-getestet haben möchte. Dann muss er erläutern, welche Testergebnisse er erwartet. Und zuletzt muss der Antragsteller dem Richter erklären, warum es im Angesicht dieser erhofften Testergebnisse logisch unmöglich wäre, zu einem Schuldspruch zu kommen.

So legen die Gerichte nämlich die gesetzliche Wortwahl "kein rationeller gerichtlicher Beurteiler der Fakten" aus, der Schlüsselbegriff dabei ist  "rationeller". Solange es irgendwie möglich ist, sich eine logische Erklärung auszudenken, wie der Antragsteller (der Insasse) trotz der erwarteten / erhofften DNS-Testergebnisse doch schuldig sein könnte – wird der Test gar nicht erst angeordnet.

An dieser Hürde scheitern fast alle Antragsteller. Denn es ist fast immer möglich, irgendeine Theorie zu erfinden, unter der die hypothetischen Geschworenen in einem hypothetischen neuen Prozess (also die "gerichtlichen Beurteiler der Fakten") sich zu einem Schuldspruch durchdringen könnten.

In meinem Fall, zum Beispiel, wäre das ganz einfach, wie ich oben schon erklärte: Trotz der DNS-Testergebnisse könnte ich die Tat doch begangen haben, allerdings mit einem unbekannten Komplizen, der seine DNS am Tatort hinterließ. Diese "Erklärung" ist zwar blöd, aber sie ist (hier wieder der Schlüsselbegriff!) "rationell", sie ist logisch möglich.  Nur wenn es vollkommen unmöglich ist, eine alternative Tattheorie zu erfinden, wird der DNS-Test angeordnet.

Das gelang in Virginia bisher nur etwa einem halben Dutzend Gefangenen. Ich wiederhole: rund einem halben Dutzend. Wobei man bedenken muss, dass es in Virginia mehr als 60.000 Häftlinge gibt (wovon 37.000 Insassen des "Department of Corrections" sind). Glaubt irgendjemand wirklich allen Ernstes, dass es nur ein halbes Dutzend Fehlurteile unter den 37.000 Gefangenen des "D.O.C." gibt?

(Nebenbei: Weitere drei oder vier Häftlinge wurden in Virginia unter besonderen Umständen entlassen, ohne den "writ of actual innosence" in Anspruch nehmen zu müssen. Dies nur der Vollständigkeit zuliebe, damit mir keiner vorwirft, ich über- oder untertreibe.)

Hätte ich einen Antrag auf DNS-Tests unter dem "writ" eingereicht, wären die Tests mit Sicherheit abgelehnt worden. Ich hatte das große Glück – wenn man es so nennen darf, denn geholfen hat es mir überhaupt nicht, – dass die Spuren in "meiner" Gerichtsakte über das sogenannte "Post Conviction DNA Testing Program" automatisch, also ohne Antrag, getestet wurden, siehe meine DNS-Test Seite: Frank Green, „Va. cases shed light on false convictions“, Richmond Times - Dispatch, 12. Januar 2009, und Dena Potter, "DNA test indicates wrong man convicted of rape“, Associated Press", 12. August 2010.

Allerdings hätte ich immer noch einen "writ" einreichen müssen, um meine tatsächliche Entlassung aufgrund der Testergebnisse zu fordern. Dieser Antrag hätte jedoch innerhalb von sechzig Tagen nach dem Erhalt der Testergebnisse gemacht werden müssen. Das wäre in meinem Fall der 2. Dezember 2009 gewesen, denn ich erhielt die DNS-Testergebnisse am 2. Oktober 2009.

Doch am 19. Oktober 2009 hatte der damalige Gouverneur Timothy Kaine überraschenderweise meinen Unterstützern versprochen, dass er mich nach Deutschland überstellen würde, wenn die deutsche Regierung ihm versichere, dass ich nach der Überstellung noch einige Zeit in deutschen Gefängnissen verbringen würde (siehe Haftüberstellung). Alle meine Anwälte, Unterstützer und Berater sagten mir, ich könne und solle mich auf dieses Versprechen des Gouverneurs verlassen: Meine Rückkehr nach Deutschland und relativ baldige Entlassung aus deutscher Haft seien praktisch garantiert.

Aber ich dürfe auf keinen Fall nun Wellen machen, Aufmerksamkeit auf mich lenken, indem ich aufgrund der DNS-Testergebnisse einen "writ"-Antrag stelle. Dann könne der Gouverneur mir nicht helfen. Also verließ ich mich auf Gouverneur Kaine und reichte keinen "writ" ein. Die Frist verstrich. Und dann lief alles schrecklich schief.

Ohnehin aber wäre es ziemlich unwahrscheinlich gewesen, dass ich einen "writ" vor Gericht hätte gewinnen können, aus den oben erklärten Gründen. Irgendwie hätte man mich trotz der DNS-Testergebnisse schuldig finden können.

Im Teil 3 dieser Serie befasse ich mich nächste Woche mit dem zweiten virginianischen Gesetz, welches das Wiederaufrollen eines Fehlurteils ermöglicht – beziehungsweise unmöglich macht, was offensichtlich Absicht war. Das ist der oben erwähnte "writ of acutal innocence for non-biological evidence", also für alle Beweismaterialien, die nichts mit DNS zu tun haben.
Posted by: KS AT 06:20 am   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 21 September 2011
Viele meiner Freundinnen und Freunde haben mich gebeten, den Fall der West Memphis Three zu kommentieren – den drei Männern, die am 19. August 2011 in Jonesboro, U.S.-Bundesstaat Arkansas, nach etwas mehr als achtzehn Jahren Haft frei gelassen wurden. Dieser Fall weist viele Parallelen zu meinem auf, so meinen meine deutschen Bekannten, also fragen sie mich: Könnte ich nicht auf ähnliche Weise frei kommen?

Falls Ihnen, meinen Lesern, der Fall der West Memphis Three nicht im Detail bekannt ist, erlauben Sie mir, ihn hier kurz zusammenzufassen und dabei auf die Parallelen zu meinem hinzuweisen. Ich befasse mich nämlich seit Jahrzehnten mit Justizirrtümern, und sie verlaufen meistens nach dem gleichen Schema.

Fangen wir an mit dem Ort: Die tiefste Provinz, mit einer konservativen und äußerst religiösen Bevölkerung. Einer meiner besten und langjährigen amerikanischen Freunde, übrigens ein Pfarrer, stammt aus Jonesboro und hat mir ein wenig davon erzählt; die Atmosphäre und Kultur waren dort vor rund zwanzig Jahren jenen von Lynchburg, wo sich "mein" Verbrechen abspielte, sehr ähnlich.

Nur ist diese Analyse etwas unvollständig. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre waren Jonesboro, Arkansas, und Lynchburg, Virginia, nämlich beide relativ kosmopolitisch, es ging diesen Städten wirtschaftlich ziemlich gut, sie strebten auf und waren sich bewusst, dass es eine große, weite Welt da draußen gab. Doch die Verbrechen der West Memphis Three und des Jens Söring spielten sich in den (erweiterten) Vororten von Jonesboro und Lynchburg ab, nämlich West Memphis und Bedford.

Hier traf der wachsende Wohlstand der Städte auf eine sehr ländliche Bevölkerung, die zunehmend wirtschaftlich verdrängt und sozial verunsichert wurde. Für solche Menschen war das Stadtleben "sündhaft" – und die Sünde breitete sich nun in ihre Richtung aus, wie ein Bazillus oder eine invadierende Armee.

Die schrecklichen Verbrechen, die dann entdeckt wurden, bestätigten das Gefühl, dass "das Böse" aus der Stadt nun die ehemalige ländliche Idylle von West Memphis und Bedford angriff. Im Fall der West Memphis Three waren es drei achtjährige Pfadfinder, die in einem Abwasserkanal in einer waldigen Gegend tot aufgefunden wurden: nackt, verstümmelt und an Händen und Füßen gefesselt. Zwei schienen ertränkt worden zu sein, der dritte erlag Messerwunden, die teilweise auch seinen Genitalien zugefügt worden waren.

In großen Metropolen und selbst in schnell wachsenden Städten wie Jonesboro und Lynchburg reagieren die Einwohner auf solche Fälle mit einer gewissen Gelassenheit: "Ach Gott, wieder so eine entsetzliche Sache!". Leider hat man ähnliches schon einmal gesehen. Aber in den angrenzenden Gebieten oder Vororten, wo das Stadtleben und das Landleben aufeinander prallen, ist die Reaktion eine andere: Es entwickelt sich sehr schnell eine starke Abwehrreaktion, die schon beinahe metaphysisch ist, weil die Greueltat die kulturelle und wirtschaftliche Bedrohung zu verkörpern scheint.

Die Täter müssen also nicht nur gefasst und bestraft werden, wie in der Stadt, sondern die vermeintliche Unschuld und Reinheit der Gesellschaft muss auch wieder hergestellt werden. Ganz wie im alttestamentarischen Israel müssen die Sünde und das Böse ausgemerzt werden. Ländliche Gegenden Amerikas sind nämlich noch stark christlich geprägt, allerdings mit einer alttestamentarischen Orientierung, d.h. mehr in Richtung zehn Gebote, weniger in Richtung Nächstenliebe.

Wenn es der örtlichen Polizei nicht gelingt, ziemlich schnell die Täter zu fassen, kommt eine gewisse Hysterie in der Bevölkerung auf, die sehr oft zwei Dimensionen hat: Sex und Satanismus. So war es bei den West Memphis Three, so war es bei mir, so war es bei vielen Fällen, die sich später als schlimme Justizirrtümer entpuppten. Das Paradebeispiel Ende der achtziger Jahre: der "McMartin Preschool" Fall, vielleicht der größte Justizskandal aller Zeiten.

Bei mir gab es zeitweilig den Vorwurf oder die Theorie, man habe Voodoo am Tatort gefunden (siehe Prozess Seite: Michael Hirsley, "A Mansonesque Killing Brings Shudders to Genteel Virginia", Chicago Tribune, 15. Juni 1986). Ein Boulevardblatt behauptete sogar, meine angebliche Komplizin Elizabeth Haysom und ich hätten nackt im Blut unserer Opfer getanzt. Bei den West Memphis Three soll zumindest eines der Opfer anal vergewaltigt worden sein.

Nichts davon ist wahr, weder bei mir noch bei den West Memphis Three. Während meines dreiwöchigen (!) Prozesses brachte der Staatsanwalt keinen einzigen Beweis vor Gericht, der auf Voodoo hindeutete, und der Sheriff sagte der Chicago Tribune (siehe oben), er habe keinen Hinweis auf Voodoo gesehen. Bei den West Memphis Three gab es später eine gerichtsmedizinische Analyse, die keinerlei Hinweis auf Analverkehr fand. Es drehte sich eben um atavistische Ängste einer allgemein verunsicherten Bevölkerung, nicht um die tatsächliche Tat als solche.

Unter solchen Umständen entsteht sehr großer Druck auf die Polizei, endlich irgendjemanden zu verhaften. Das Böse muss getilgt werden. Da sucht man sich natürlich schnell Außenseiter, die gewissermaßen die Invasion des Fremden und Bösen in die bedrohte ländliche Idylle repräsentieren.

Bezeichnenderweise beschloss die Polizei zunächst, dass es sich bei diesem Verbrechen um einen satanischen Ritualmord drehte – was sich übrigens später als Irrtum entpuppte. Doch in diesem Glauben begaben sich die Ermittler auf die Suche nach vermeintlichen Satanisten. Und so wie der Mensch nun mal ist, findet er meist, was er sucht, siehe Jennifer L. Mnookin, "The 'West Memphis Three' and combating cognitive biases", Los Angeles Times, 23. August 2011.

Die West Memphis Three trugen gern schwarze Kleidung, hörten Metallica, und schwafelten über Wicca, eine nicht-christliche Naturreligion. Außerdem wurden sie dabei gehört, wie sie über den Mord an den drei Pfadfindern redeten. Das taten zwar alle anderen in West Memphis auch – aber Damien Echols, Jason Baldnin und Jessie Misskelley Jr. Waren eben anders. Also wurden sie verhaftet.

Nach meiner Verurteilung veröffentlichte eine Lokalzeitung einen langen Artikel zum Thema, wie anders ich doch sei: Der ganze Prozess sei "ein Aufeinanderprallen von Kulturen welches zu verschiedenen Zeiten eine Quelle von Missverständnissen, Wut und sogar Humor wurde." … Ein Mitglied der Jury, die darum bat, namentlich nicht genannt zu werden, sagte, sie dachte, "Söring habe 'eine seltsame Erziehung' gehabt. 'Sie (d.h., die Familie Söring) gingen nicht zur Kirche, wie es sich gehört', sagte sie." (siehe Prozess Seite, Monica Davey, "Soering trial full of culture shocks", Roanoke Times, 24. Juni 1990).

Fairerweise muss ich hier hinzufügen, dass die meisten Opfer von Justizirrtümern in den USA nicht weiße Außenseiter wie die West Memphis Three und ich sind. Viel öfter trifft es Schwarze, die weiße Frauen vergewaltigt haben sollen. In Virginia gibt es in dieser Hinsicht die berühmten Beispiele Earl Washington Jr., Marvin Anderson und Thomas Haynesworth. Afro-Amerikaner sind immer anders, Sex bleibt in den USA gefährlich, und wer nicht begreift, dass die schwarze Hautfarbe besonders in ländlichen, erzreligiösen Gebieten zumindest unterschwellig mit dem biblischen Bösen (also Satan) in Verbindung gebracht wird, der versteht nichts von Amerika und seiner Geschichte. (siehe meine Blogtexte B37, B38 und B39 – "Wieso ist Hass in den USA salonfähig?" Teile 1, 2 und 3).

Was kennzeichnet Prozesse gegen Außenseiter, die dazu dienen, das Böse zu vertreiben und die ländliche Idylle wieder herzustellen? Erstens falsche Geständnisse und zweitens gravierende Verfahrensfehler.

Falsche Geständnisse gab es im Fall der West Memphis Three – der minderjährige Jessie Misskelly Jr. legte eins ab, nachdem er zwölf Stunden lang ohne Rechtsbeistand verhört wurde – so wie in meinem Fall – ich gestand eine Tat, die ich nicht begangen hatte, nach dreieinhalb Tagen unter Verhör, ohne Anwalt – so wie in sagenhaften 25% aller Justizirrtümer, die durch spätere DNS-Tests aufgedeckt wurden. Auf der Prozess-Seite meiner Website gibt es einen Abschnitt zum Thema "falsche Geständnisse" mit vier Artikeln, darunter einer von einer Staatsanwältin, die beinahe selber ein falsches Geständnis "produziert" hätte. Leider gestehen Menschen Taten, die sie nicht begangen haben viel öfter, als man denkt.

Im Falle der West Memphis Three enthielt Misskelleys Geständnis viele Fehler, darunter sogar die Tatzeit. Auch in meinem Fall enthielt mein Geständnis viele Fehler: die Kleidung eines Opfers, die Position (in einem anderen Zimmer!) des anderen Opfers, die Art und die Position der Tatwaffe, und einiges mehr.

Außerdem weisen Skandalprozesse wie jene der West Memphis Three und meinem immer gravierende Verfahrensfehler auf. Letztlich muss das Recht eben gebeugt oder gebrochen werden, um unschuldige Menschen zu verurteilen. Zum Beispiel wurde Misskelleys Geständnis im Prozess gegen seine vermeintlichen Komplizen Echols und Baldwin nicht zugelassen, aber während der Verhandlung der Geschworenen erzählte der Vorsitzende der Jury den anderen Mitgliedern von diesem Geständnis, um sie davon zu überzeugen, "schuldig" zu stimmen.

In meinem Fall gab es so viele Verfahrensfehler, dass man es kaum fassen kann. Auf der Prozess-Seite gibt es einen Abschnitt mit drei Artikeln zu diesem Thema:
  1. Mein Strafverteidiger war geisteskrank, später wurde ihm die Zulassung entzogen – unter anderem wegen Fehler bei meinem Fall.
  2. Der Staatsanwalt verheimlichte entlastendes Beweismaterial über mögliche Komplizen Elizabeths und einem Messer.
  3. Der Richter war ein jahrzehntelanger Freund der Familie der Opfer und gab kurz vor dem Prozess ein Interview an das Magazin Albemarle, in dem er zum Ausdruck brachte, dass er mich für schuldig halte.
Laut den virginianischen Berufungsgerichten war das alles jedoch völlig in Ordnung – denn es geht ja nicht um Recht und Gesetz, sondern um die Vertreibung des Bösen.

Jahrzehnte später werden dann DNS-Tests durchgeführt, die die Unschuld der Justizopfer beweisen, und es gibt ein "Happy End". Schön wär's! Warum es nur in den seltensten Fällen solch ein "Happy End" gibt, erkläre ich nächste Woche im Teil 2 dieser Serie.
Wer mehr zum Thema "Justizirrtümer" im allgemeinen lesen will, dem rate ich zu dem Buch von Brandon L. Garrett, "Convicting the Innocent: Where Criminal Prosecutions Go Wrong", Harvard University Press, 2011.
Posted by: AB AT 05:45 am   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 14 September 2011
Am 30. (Samstag) und 31. (Sonntag) Juli 2011 konnten Tanja, Bernadette und Anna vom Freundeskreis Jens im Buckingham Correctional Center in Dillwyn/Virginia (Karte) besuchen. Heute erzählen sie in einem Blog-Gasteintrag, wie das für Jens und sie gewesen ist…

Buckingham Correctional Center
(Abb.1:  Das Buckingham Correctional Center bei der Anreise)


Tanja:

Natürlich wart ihr alle mit dabei, als wir Jens besucht haben.

Weil der Anflug auf Washington ein bisschen holprig verlief, habe ich mich nach der Landung erstmal heftig übergeben müssen. Der Kreislauf unten. Und dann war nicht mal ’ne Stunde vergangen, da erfuhren wir, dass Parole abgelehnt wurde.

Wir waren von Freitagabend bis Sonntagvormittag in einem Motel in Dillwyn.

Am Samstagmorgen der erste Anlauf, um in den Knast zu kommen. Die Damen in diesen schwarzen Outfits wussten gleich wer wir sind - eine von ihnen rief gleich "special visit". Das hat ewig gedauert, bis unsere deutschen Adressen von einer von ihnen in den PC eingegeben wurde - leicht überfordert. Jedenfalls ging’s irgendwann endlich durch diesen Metalldetektor und man wurde abgetastet, Schuhe ausziehen usw. Eine gute halbe Stunde war mittlerweile vergangen. In der Zwischenzeit hatte ein Wächter per Telefon durchgegeben, dass für den Jens Besuch kommt. Also durften wir dieses Empfangsgebäude verlassen und zum nächsten Gebäude weiter laufen.

(Siehe Abb.2: Der erste orangefarbene geschlängelte Strich ist der Weg durch das Empfangsgebäude: Tresen, zur Sicherheitskontrolle, weiter Richtung Knast. Der schwarze lange Strich ist der Weg zwischen den beiden Gebäuden.)

(Abb.2:  Vom Parkplatz bis in den Besucherraum)

Im nächsten Gebäude angekommen mussten wir unsere Reisepässe abgeben und durften weiter laufen - schon war da der Besuchersaal. Wir kamen rein und Jens wartete schon. Noch Belehrungen einer Wächterin mitgeteilt bekommen, mussten uns noch in eine Liste eintragen, und dann ging’s erstmal schleunigst zu Jens rüber. Ach, er hat sich auch so gefreut. Uns wurde ein Platz hinten rechts zugewiesen. 36 "Tische" gibt’s (das sind ganz niedrige kleine Plastikhocker), jeweils immer 4 Stühle drum rum. Ganz hinten dann stehen die Automaten mit Getränken und Essen (ich hab da in Abb.2 einen schwarzen Strich gemacht – an dieser Wand standen sie).

Also haben Anna und Bernadette gleich berichten können, wie sagenhaft die Briefwelle angelaufen ist (Bernadette hatte ja ihren Laptop dabei) - der Jens war ganz überwältigt.

Wir haben Verschiedenes durchgesprochen. Sind mit ihm zu diesen Automaten, die Insassen NICHT berühren dürfen - ein mega dicker roter Strich am Boden davor - und haben die mitgebrachten Münzen eingeworfen.

Um 11 Uhr ertönte ein lauter Pfiff durch die Trillerpfeife, alle Häftlinge mussten aufstehen, Wächter sind an jedem "Tisch" vorbei gekommen und jeder musste seine Nummer und sein Gebäude sagen - das notierten sie. Als das geschafft war, ertönte die Trillerpfeife wieder und alle durften sich wieder hinsetzen.

Am Sonntag dieselbe Prozedur. Wieder die gleichen Damen am Empfang - aber sie haben’s wenigstens doch zügiger hinbekommen mit dem ganzen PC-Kram. Wieder um 11 Uhr diese Trillerpfeife.

Dann kam noch kurz der Chaplain (Pfarrer) des Gefängnisses zu uns und Jens stellte ihn uns vor - Jens freute sich sehr, dass er extra vorbei schaute. (Der Chaplain und Tom Elliott hatten dafür gesorgt, dass wir in diesem Motel unterkamen.)

Wir haben Jens dann um 13 Uhr Ortszeit (31.07.) ein kleines Geburtstagsliedchen gesungen. Er war ganz baff. Er ist ja in Bangkok geboren und um 13 Uhr in Virginia ist es dann in Bangkok gerade 0 Uhr, 1. August gewesen. War sagenhaft.

Der Abschied war natürlich sehr schmerzlich...

Ich hab im Foto markiert, wo wir am Samstag und wo wir am Sonntag saßen. Beide Male ziemlich hinten, zweite Reihe vor den Automaten.


Bernadette:
(siehe auch Interview beim Radiosender detektor.fm, 11. August 2011, Link)

Bereits der Weg zum Gefängnis war beklemmend. Diese Zufahrtsstraße, die nicht für den öffentlichen Verkehr vorgesehen war, die Warnhinweise auf beiden Seiten der Straße und schließlich von weitem auf einer Anhöhe die grell-gelben Lichter des Gefängnisses in der Dämmerung. Schaurig und sehr, sehr bedrückend – dort ist man richtig und wirklich weggesperrt – offensichtlich soll kein Mensch in der Umgebung überhaupt etwas von diesem „Ding“ wahrnehmen bzw. mit der dortigen „Existenz“ von über 1.000 Menschen konfrontiert werden… Und Handy-Empfang gab es auch im Umkreis von vielen Kilometern nicht …

Bei uns wuchs die Aufregung, weil wir nicht wussten, was da an Kontrollen und Schikanen (?) auf uns zukommen würde, bevor man uns in den Besucherraum lassen würde.

Das Gefängnispersonal war überraschend freundlich und korrekt zu uns und sie achteten schon vorne am Eingang darauf, dass das mit dem "special visit" und "without termination" auf jeden Fall eingehalten wird. Diese Sondergenehmigung eines Besuchs ist selten und wurde Jens gewährt, weil wir von soweit angereist waren. Daher zwei Besuchstage nacheinander und auch keine Unterbrechung während der ganzen sechs Stunden pro Tag. Normalerweise kann das Wachpersonal nämlich einen Besuch nach ein bis zwei Stunden beenden, wenn zu viele Besucher auf einmal anwesend sind.
 
Am Samstag war da nur eine riesengroße Freude bei ihm und bei uns, Jens freute sich so sehr und es ging ihm richtig gut - trotz der erneuten Parole Board-Absage. Die hat er ganz stark und tapfer hingenommen, hat gesagt: "Ich kann noch - ich hab ja euch." 
Wir haben auch viel gelacht und es war gut, dass wir ihm von Reaktionen der Freunde in Deutschland erzählen konnten und es schon aktuelle Zahlen zur neuen Briefwelle gab. Der Aufruf war an jenem Wochenende bereits über 2.000 Mal angeklickt worden! Das hat ihm so gut getan.

Die Bilder im Besuchersaal gehen mir nicht mehr aus dem Kopf… Irritiert beobachteten wir, dass die Insassen eine ganz dicke rote Linie vor den Essen- und Getränkeautomaten nicht übertreten durften und auch die Münzen nicht anfassen durften. Um Punkt 11 Uhr ertönte  plötzlich eine Trillerpfeife. Jens sagte blitzschnell: „IHR bleibt sitzen – WIR stehen auf.“ Und schon standen alle Häftlinge um uns herum in ihren blauen Hemden vor ihren Ehefrauen, Müttern, Vätern, Kindern, Geschwistern und Freunden, während diese sitzen blieben und mit Beklemmung um sich schauten. Das war so demütigend! Zwei Wächter gingen nun von Tisch zu Tisch (das waren nur ganz kleine Plastikhocker) und die Häftlinge mussten dann ihre Gefangenennummer und die Nummer ihres Wohngebäudes nennen. Alle durften sich erst wieder setzen, als die Trillerpfeifer dies ca. 10 Minuten später erlaubte.

Es gab viele kleine, berührende Gesten in diesen Stunden. Am Tisch nebenan saß lange ein älterer Häftling mit seiner Frau…  Als die beiden später aufstanden, klopfte dieser Mithäftling Jens im Vorbeigehen so freundschaftlich und voller Ermutigung auf die Schulter…  Jens erzählte uns, dass das "Lumpen" war, jener jüdische Mitgefangene, von dem er im dreiteiligen Blog "Mein Freund Lumpen" (B52, B53 und B54) kürzlich schrieb.
Ich sehe noch immer Jens’ Mitgefangene da alle im Besuchersaal sitzen mit ihren Angehörigen und Freunden – die meisten wohl nicht schuld-los, aber nun nach jahrzehntelanger Haft vollkommen hoffnungs-los. Was für Tragödien dort an jedem Tisch waren…
Man sieht einfach nur die Menschen… traurige, gedemütigte, systematisch kaputt gemachte Menschen. Und das waren jetzt nur die Gefangenen, die überhaupt Besuch bekommen! 50-80 vielleicht an jenem Wochenende – von über 1.000 Inhaftierten im Buckingham Correctional Center.

Am Sonntag war von Anfang an die Angst vor dem Abschied dabei, das war sehr schwer für uns alle. Immer wieder der Blick auf die große Wanduhr im Besuchersaal, über den Essen- und Getränkeautomaten…

Während der sechs Stunden Besuchszeit gab es natürlich auch immer wieder schwere Momente, wo Jens uns sagte, wie satt er das Gefängnisleben habe, wie sehr er sich nach einem „echten“ Leben sehnt… Da haben wir in so traurige Augen gesehen…
An jenem Vormittag kam der Gefängnisgeistliche, Chaplain Stine, vorbei, um uns zu begrüßen. Er hatte uns im Vorfeld dabei geholfen, eine Unterkunft in der Nähe des Gefängnisses zu finden. Es machte Jens sichtlich Freude, uns ihm vorzustellen.

Irgendwann sind leider auch sechs Stunden Besuchszeit vorbei… Der Abschied war schlimm. Eine Wächterin habe ich beobachtet, wie sie uns zusah und dann ganz betroffen zu Boden blickte, nicht mehr hinsehen konnte.

Wir mussten zur rechten Tür hinausgehen, Jens zur linken Tür… Mein letztes Bild ist, wie Jens ganz aufrecht und tapfer zu dieser Tür geht, in die andere Richtung, zurück zur Hölle…

Jens erzählte am anderen Tag am Telefon (Gott sei Dank konnten wir über seine Anwältin noch mehrfach mit ihm in den Tagen danach telefonieren), die Wächter seien zu ihm nachher sehr freundlich gewesen und hätten gefragt, ob wir seine Schwestern seien.

Und wie schwer es für ihn gewesen sei, uns gehen lassen zu müssen und nicht mitkommen zu können – wieder nicht…


Anna:
(siehe auch Interview im Münchner Merkur, 20. Juli 2011, Link)

FAQ an Anna

Hallo Anna!
Ich habe gerade Jens' Newsletter gelesen. Und nun muss ich, da ich ja weiß, dass Du eine Woche weg warst, einfach mal nachfragen: Hast Du Jens besucht???


Hi, ja - Bernadette, Tanja und ich waren fast eine Woche in den USA.
Das war schon ganz lange ausgemacht und wir freuten uns alle sehr! Allerdings, als wir ankamen, war genau die Parole Board-Ablehnung durch und man sagte uns schonend Bescheid. Wir waren noch keine Stunde in den USA angekommen…

Aber bei Jens war es wirklich schön! - Oh, Mann hat er sich gefreut! Gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd!!!
Mein Eindruck von ihm: er wirkt jünger als im Fernsehen, ist sehr dünn. Humor + Stärke + Trotz, aber auch eine unheimliche Trauer in seinen Augen. Sehr sympathisch und ehrlich.

Am ersten Besuchstag (Samstag) freute er sich so, dass er nur noch so sprudelte vor Erzählungen und Witzen.
Am zweiten Besuchstag (Sonntag) waren wir alle von Anfang an sehr traurig, dass wir danach wieder fahren mussten. Jens hat auch viel über seine Trauer und Wut und dem sch*** Knastleben gesprochen.
Am nächsten Tag (Montag) hatte er seinen 45. Geburtstag, aber da er ja in Bangkok geboren wurde und mit der Zeitverschiebung, feierten wir ab 13 Uhr am Sonntag schon seinen Geburtstag. Das hat ihn ganz fürchterlich gerührt! Er meinte, seit Jahren wäre das sein schönster Geburtstag gewesen. Die letzten Minuten unseres Besuches schaute er uns immer gaaaanz lange an, wie wenn er unsere Präsenz konservieren wolle.
Am Montag durften wir über seine Anwältin mit ihm telefonierten und er entschuldigte sich schon mal im Voraus... er hätte nach unserem Abschied, in seiner Zelle, seinen Gefühlen Luft gemacht, indem er uns schrieb. Es wären nicht seine "besten" Briefe...


(…) Habt ihr Drei Jens gemeinsam besucht?

Wir haben ihn nur zu dritt sehen können - im engen Gemeinschaftsbesuchersaal mit ca. 40 anderen Besuchsgruppen ringsum und Wächtern, die erhöht alle beobachteten und rum gingen.
Man merkte schon, zu viele Gefühle oder was total Persönliches ging allein schon von der Atmosphäre nicht. Wir machten aber Fotos beim Knastfotografen! (s. Abb.3)

(Abb.3:  Gemeinsames Foto)

Mann o Mann, so'n Besuchersaal im US-Knast - ... obwohl die zu uns nett waren, aber es ist schon ein Vorhof zur Hölle. Dramen, die man dort beobachten kann: Wenn z.B. der Häftling auch mal den Säugling halten darf, Mann + Frau sich traurig anschweigen und der Mann schon 30 Jahre sitzt und nie rauskommen wird...

Um 11 Uhr war „count-time“: Trillerpfeifenpfiff und alle Häftlinge müssen aufstehen und einem Wärter ihre Nummer und ihr Wohngebäude sagen. Es gibt rote Striche auf dem Boden - die dürfen die Häftlinge nicht übertreten. Sie dürfen auch die Ess-/ Trink-Automaten nicht berühren. Damit nichts passiert, stehen die Häftlinge also mit den Händen in den Hosentaschen vor den Automaten und sagen ihrem Besuch, was sie gerne hätten. Und dann können sie sich ENDLICH MAL den Bauch voll schlagen!!!

Aber auch das System dahinter: z.B. ist die Straße zum Knast keine öffentliche Straße. Die Straße ist sehr lang, d.h. von der Bundesstraße siehst du den Knast gar nicht, der liegt nämlich hinter einer Bergkuppe. Und das Gefängnis ist wie eine Festung... Da schnürt’s einem wirklich alles zu! Fotografieren und Filmen (selbst der Schilder) ist verboten! Im Umkreis von ca. 20 km hat man auch keinen Handyempfang.

Die Wärterin bei der "Pforte" war ok, aber völlig überfordert mit dem Computer. Brauchte je (!) 10-15 Minuten, nur um unseren Namen + Adresse + Kleinigkeiten (die wollten sogar unser Gewicht wissen!)  einzugeben. Und die braucht immer so lange (laut Erzählungen)!
Sonst großes Filzen und man durfte nur $ 10 in Münzen (für die Automaten) mitnehmen, also nicht mal ein Taschentuch war erlaubt...


(…) Wusste Jens denn vorher von Euren Reiseplänen? Und dürfen Besucher nahezu unbegrenzt lange bleiben? Und man darf nicht einmal ein Taschentuch mit hinein nehmen?!?! Wo lässt man denn seine Tränen?

Also, es war für uns vier eine Premiere!

Wir hatten den Besuch Jens im Sommer letzten Jahres angeboten und Anfang dieses Jahres noch mal nachgefragt.

Wir hatten eine „special visit“ Erlaubnis - geht nur alle 1/4 Jahre 1x, und wenn man eben von weit her kommt. D.h., wir durften 5 1/2 Stunden bleiben und an 2 Wochenend-Tagen hintereinander kommen!!!! Gott sei Dank hatten wir eine Kopie der Erlaubnis, die war nämlich zuvor verschlampt worden.

Zu deiner Taschentuch-Frage: Es gibt bei den Essensautomaten Pappe-ähnliche Tücher, wie auf Klos für die Hände. Da wir uns aber beim Besuchersaal-Ausgang (weit gegenüber von den Automaten) verabschiedeten + genau da meine Tränen kullerten, hätte ich mich vermutlich gar nicht mehr bis zu den entfernten Automaten vorwagen dürfen, um mir so ein Tuch zu schnappen. Uns haben die Wärter nach dem "Tschüss" auch sehr, sehr schnell rausbuxiert... wäre sonst noch länger zum Winken geblieben, als sie ihn durch eine andere Tür rausführten… - Die Tränen gingen also in den Jackenärmel.

Danach flüchteten wir in einen Schnellimbiss in der Nähe des Gefängnisses. Brauchten erst mal einen Kaffee. Dort sahen wir auch eine andere Besucherin vom Gefängnis - sich ebenso für den Alltag stärkend, mit Sonnenbrille um ihre Tränen zu verbergen. Puh…

Das Treffen mit Jens' bestem Freund, Diakon Tom Elliott, am Tag unseres Abfluges, war sehr schön. - Er hat Hoffnung und kämpft weiter, versucht alles! 

Das sagt auch Jens, dass wir nicht aufgeben, weitermachen, er Hoffnung habe!!! Und als ich mich immer wieder im Besuchersaal umsah, "Lumpen" (aus Blog B52, B53 und B54) sah mit seinen 30 abgesessenen Jahren und kein Ende. – JA, FÜR JENS GIBT ES HOFFNUNG UND ER KOMMT DA RAUS!
Posted by: RZ AT 06:50 am   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 07 September 2011
Im zweiten Teil dieses Blogeintrags erzählte ich Ihnen von Lumpens Leben im Gefängnis: Wie er das Leben eines Wächters rettete, und wie er zwei Jahrzehnte lang die wöchentlichen jüdischen Gottesdienste in der Haftanstalt Powhatan leitete. Auch erklärte ich Ihnen, dass nichts davon die Schwere des Verbrechens, dessen er verurteilt wurde, mindert, dass er also trotzdem im Gefängnis sterben muss – wie ich und alle anderen Lebenslänglichen auch. Nur die Liebe zu seiner Ehefrau hält Lumpen davon ab, Suizid zu begehen.

In dieser totalen Hoffnungslosigkeit leben, bzw. existieren zu müssen, ist natürlich unvorstellbar grausam. Lumpen hat recht: Es ist schlimmer als jede mittelalterliche Folter, denn bei der Folter weiß man zumindest, dass sie bald mit dem Tod endet. Wir Lebenslänglichen haben noch nicht einmal diese Hoffnung auf Erlösung im Grab, unsere Qual geht weiter und weiter und weiter. Das ist die Hölle-auf-Erden.

Weil der innerliche Schmerz dieser Folter nicht zu ertragen ist, müssen wir Lebend-Tote zu unseren eigenen Gefühlen irgendwie etwas Distanz gewinnen. Viele Gefangene in unserer Lage werden deshalb einfach schizophren. Andere meditieren stundenlang. Und wiederum andere schreiben Bücher, Artikel und Blogeinträge: Sie kotzen ihr Leiden aufs Papier und stellen es zur Schau. Dadurch tut das alles nicht mehr ganz so weh. Solch einen Häftling kennen Sie doch, oder?

Noch effektiver als Geisteskrankheit, Meditation und Schriftstellerei ist jedoch Gelächter. Statt sich dem Schmerz hinzugeben und passiv zu leiden, tritt man sozusagen seitwärts aus dem eigenen Leben heraus und macht sich darüber lustig. Auf diese Weise gewinnt man die notwendige Distanz, ohne die man tatsächlich verrückt werden würde.

So etwas nennt man Galgenhumor. Und vermutlich meinen Sie, mit dem Etikett hätten Sie das Phänomen verstanden. Das bezweifle ich aber. Ich vermute, Galgenhumor ist etwas völlig anderes für Zuschauer, die erst fünf Minuten vor Hinrichtungsbeginn hinzukommen, als für Menschen wie Lumpen und mich, die bereits fünfundzwanzig bis dreißig Jahre am Galgen hängen. Die zappeln und keuchen, die schreien und weinen – und darüber noch Witze reißen müssen. Das genau ist der entscheidende Unterschied. Sie haben die Wahl, Sie können lachen oder es lassen; doch Lumpen und ich, wir müssen lachen. Sonst drehen wir durch.

Aus diesem Grund finden wir Dinge urkomisch, die Sie höchstwahrscheinlich – nein, garantiert empörend finden würden, falls ich es überhaupt wage, Ihnen davon zu erzählen.

Übrigens ist Lumpen vollkommen darauf erpicht, dass ich Ihnen die allerschrecklichsten unserer Witze erzähle. Ich habe ihm natürlich genau erklärt, wie absolut schockierend unserer Humor gerade für Deutsche ist – wenn ich ihnen davon schriebe. Was ich natürlich nicht tun werde. Doch genau diese Aussicht, "die Deutschen" zu empören, stachelt Lumpens Fantasie so richtig an: "Gib’s ihnen, gib’s ihnen!"

Ich glaube, Lumpen will Sie schockieren, weil er möchte, dass irgendjemand seinen Schmerz, sein Leiden sieht – und dass es diese Menschen, also Sie, ebenso schmerzt. Nehmen Sie es Lumpen also bitte nicht übel, dass er Sie empören will. Denn er leidet ganz entsetzlich und er ist mein Freund.

Genau auf dieser Tatsache, dass wir nämlich Freunde geworden sind, beruht fast all unser Galgenhumor. Ausgerechnet das "Land der Freiheit", dessen G.I.s vor 66 Jahren die wenigen überlebenden Juden aus den deutschen KZs befreiten, ist gerade dabei, einen Juden und einen Deutschen zusammen langsam zu Tode zu foltern. Endlich sind wir auf der gleichen Seite, der Jude und der Deutsche!

Durch unseren endlos hingezogenen Tod, unserer Hinrichtung in Zeitlupendauer, haben Lumpen und ich ganz privat, nur zwischen uns, den historischen Abgrund zwischen Opfervolk und Tätervolk überwunden. Wir sind im Sterben vereint. Hurra!

Wer das nicht wahnsinnig komisch findet, der … na, der hat vermutlich ein wunderschönes, bequemes, Vollkasko versichertes, ökologisch einwandfreies Leben. Solch ein Leben haben Lumpen und ich aber nicht. Also grinsen wir wie Vollidioten jedes Mal, wenn wir uns sehen und reißen die allerbrutalsten, geschmacklosesten, widerwärtigsten Witze.

Über KZs und Gulags. Und gelegentlich auch über den Gazastreifen.

Sie erinnern sich: Lumpen hat einen Bachelor in Politikwissenschaft, Politologie, gemacht. Er ist also für amerikanische Verhältnisse ein gebildeter Mann. Auch haben wir beide währende der Jahrzehnte unserer Haft große Teile der KZ- und Gulag-Literatur gelesen sowie natürlich viel über Geschichte. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Lumpen und ich außerdem ein Faible für Charles Dickens und Fjodor Dostojewski, die großen Chronisten der Leiden des 19. Jahrhunderts, haben, wobei ich allerdings noch Thomas Hardy hinzuziehen würde. Unser Galgenhumor hat also eine gewisse intellektuelle Komponente, die unsere Witzelei Lesern wie Ihnen möglicherweise etwas schmackhafter macht.

Nur ist Galgenhumor eben … na, Galgenhumor. Es geht um Schmerz und Erniedrigung und Tod. Wenn jemand gehängt wird, dann beißt er sich auf die Zunge, sodass erstaunlich viel Blut aus dem Mund fließt. Und er scheißt sich in die Hose, so dass es stinkt. Und er bekommt ein Erektion – wirklich wahr – alle Gehängten bekommen noch im Sterben einen Steifen!

Das alles kenne ich aus eigener Erfahrung, weil sich mein damaliger Zellenmitbewohner Keith im April 2004 an meinem Etagenbett erhängt hat. Ich habe seine Leiche gefunden – mit dem vielen Blut an Mund und Hemd, der Scheiße in der Hose und der Erektion. Keiths Hauptproblem: Er hatte keinerlei Sinn für Humor, der war immer bierernst.

Übrigens ist der letzte Satz keineswegs eine böswillige, sarkastische Bemerkung meinerseits. Ich glaube das wirklich: Wenn Keith nur ein wenig hätte lachen können, so wie Lumpen und ich es regelmäßig tun, wäre er heute noch am Leben.

Ob es allerdings eine gute Sache ist, am Leben zu sein in dieser Hölle-auf-Erden, das ist eine ganz andere Frage. Lumpen und ich könnten Ihnen darüber ein paar Witze erzählen. Über die Vorzüge des Todes – bei denen Ihnen bestimmt das Gruseln käme. Und höchstwahrscheinlich Abscheu.

Aber Lumpen und ich, wir würden lachen und lachen und lachen.

Bitte glauben Sie nicht, dass unser Gelächter ein freundliches ist, oder ein melancholisch-mildes, oder ein leicht ironisches. Oben schrieb ich ja: Wir lachen, weil wir lachen müssen. Wir haben gar keine andere Wahl. Also ist unser Gelächter bissig und aggressiv und wütend.

Im zweiten Teil dieses Blogeintrages, der letzte Woche veröffentlicht wurde, schrieb ich: Man kann Menschen innerlich töten, lange bevor sie körperlich sterben. Und dieser innerliche Tod ist fürwahr keine schöne Aussicht.

In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 140.000 Gefangene, die eine "offizielle" lebenslängliche Haftstrafe absitzen. Doch es gibt etliche Zehntausende mehr wie Lumpen mit seiner 200-jährigen Haft – also mit Strafen, die so lang sind, dass man sie nicht überleben kann. Diese Häftlinge nennt man "virtual lifers", virtuelle Lebenslängliche, und davon gibt es mindestens genau so viele wie von den "echten".

Vor einigen Jahren veröffentlichte das Statistikamt des US-Bundesjustizministeriums eine Studie über die Rückfallrate aller Insassen, die 1994 auf Bewährung entlassen wurden. Damals gab es Entlassung auf Bewährung (auf Englisch: "parole") noch; in Virginia wurde sie im folgenden Jahr, 1995, abgeschafft.

Was man dabei herausfand, war ziemlich überraschend: Die niedrigste Rückfallrate hatten die Sexualverbrecher (rund 17%), die zweitniedrigste Lebenslängliche (rund 20%). Welche Gruppen hatten die höchsten Rückfallraten? Gewaltlose Verbrecher, die für Diebstahl und Drogen hinter Gitter kamen (rund 60 bis 70%).

Auch die Arten der Wiederholungstaten waren unerwartet: Bei den Lebenslänglichen zum Beispiel waren nur rund 4% der neuen Straftaten gewalttätig. Bei den ehemals gewaltlosen Dieben und Drogenverbrechern waren jedoch 16 bis 20% der neuen Straftaten gewalttätig.

Fazit: Die ehemaligen Häftlinge, die nach ihrer Entlassung auf Bewährung die öffentliche Sicherheit am wenigsten bedrohen, sind ironischerweise Sexualverbrecher und Mörder. Und jene, die nach ihrer „parole“ am gefährlichsten sind, sind die (vormals!) gewaltlosen Kleinkriminellen.

Die wahrscheinlichste Erklärung für dieses seltsame Phänomen: Auch 1994 (der "Jahrgang" der entlassenen Häftlinge, von dem diese Studie handelt) wurden Lebenslängliche frühestens im Alter Ende 30 / Anfang 40 auf "parole" entlassen. Wenn man die mittleren Jahre erreicht hat, wie Lumpen und ich, hat man einfach weniger / keine Lust auf und Energie für neue Straftaten.

Doch die ehemals gewaltlosen Diebe und Drogenverbrecher wurden 1994 nach nur kurzer Haftstrafe entlassen, als sie noch jung genug waren, um weitere Dummheiten zu riskieren. Und weil sie während ihrer kurzen Haftstrafen im Gefängnis von älteren Insassen brutalisiert worden waren, reagierten die entlassenen Kleinverbrecher nach ihrer "parole" ihren Frust durch Gewalttaten ab.

Völlig logisch, nicht wahr? Wenn man solche Fakten und Analysen zur Hand hat, müssten darauf doch politische Taten folgen – würde man meinen. Doch genau das Gegenteil fand in den Vereinigten Staaten statt.

In den Jahren nach der Veröffentlichung dieser allseits anerkannten und gelobten Studie gab es tatsächlich vielerorts kleine Reformen und Reförmchen des Justizsystems. Doch alle zielten darauf, die angeblich gewaltlosen Kleinverbrecher früher zu entlassen, und die Sexualverbrecher und Lebenslänglichen möglichst nie. Ich wiederhole: Nachdem man herausfand, wer wirklich gefährlich ist und wer nicht, wurden ausgerechnet jene Straftäter mit den höchsten Rückfallraten (und dem höchsten Rückfall-Prozentsatz an Gewalttaten) schneller entlassen; und jene Straftäter mit den niedrigsten Rückfallraten (sowie dem niedrigsten Rückfallprozentsatz bei Gewalttaten) behielt man für immer hinter Gitter. Wahnsinn!

Wer verstehen will warum, der lese meinen zweiteiligen Blogeintrag B19 und B20: „Bundeskanzlerin Angela Merkel: Opferschutz geht vor Täterschutz“. Aber egal, was die Gründe für diesen sicherheitspolitischen Wahnsinn sind: Komisch ist das Ganze allemal. Besonders für Lumpen und mich, die wir die politischen Hintergründe verstehen und öfters besprechen (wenn wir nicht gerade über KZ’s und Gulags Witze reißen).

Die Welt – sie ist leider vollkommen verrückt. Und Lumpen und ich, wir müssen diesen Wahnsinn eben ausbaden. Wir hängen am Galgen und zappeln wie wild und lachen uns tot.
Posted by: PI AT 05:54 am   |  Permalink   |  Email

11-minütiger Ausschnitt aus dem ZDFzoom-Beitrag

Keine Gnade für Häftling 179212?
ZDFzoom, 29. Juni 2013

Die Szenen mit den Aussagen der ehemaligen stellv. Generalstaatsanwältin von Virginia Gail Marshall und dem ehemaligen Ermitler Major Ricky Gardner im Original auf youtube.com

Den ganzen Beitrag finden Sie auf TV-Berichte



 Hier finden Sie eine
Übersicht
zu Jens' Geschichte.
 

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