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Wednesday, 24 November 2010
Großes Entsetzen in den Vereinigten Staaten: Bei der Hinrichtung des Mörders Jeffrey Landrigan am 26.10.10 in Arizona wurde zum ersten Mal ausländisches Gift eingesetzt! Natrium-Thiopental – eines der drei Medikamente, die in der richtigen Reihenfolge injiziert werden müssen, um einen Menschen zu töten – ist dermaßen knapp geworden, dass nicht nur Arizona, sondern auch Oklahoma und Kentucky zu Notmaßnahmen greifen müssen, um weiter hinrichten zu können. Die Entscheidung Arizonas, sich das nötige Gift aus Großbritannien zu besorgen, führte zu einer Eilanhörung beim obersten amerikanischen Gerichtshof, dem U.S. Supreme Court. Um 20:00 Uhr entschieden die Richter, mit 5 zu 4 Stimmen, dass ausländisches Natrium-Thiopental nicht weniger "sicher" sei als einheimisches. Kurz danach wurde Landrigan hingerichtet.

Doch Amerika schämt sich nicht, weil der höchste Gerichtshof des Landes bis spät in die Nacht tagte, um sicher zu stellen, dass Landrigan wie geplant am 26.10. starb – nur ja keine Verzögerung! Nein, Amerika schämt sich, weil die U.S.-Pharmaindustrie anscheinend genauso schwächelt wie die knapp vor der Pleite gerettete Autoindustrie. Nichts geht mehr in den USA ohne ausländische Hilfe – noch nicht einmal Hinrichtungen! Gottlob konnte man sich das Gift von den Briten holen, noch beschämender wäre es gewesen, wenn man sich das Natrium-Thiopental von den Chinesen hätte besorgen müssen.

Aus meinem Blickwinkel betrachtet, ist das alles wunderbar komisch. Ich darf es komisch finden, weil ich selber von Anfang 1987 bis Mitte 1989 direkt von der Todesstrafe bedroht war. Damals gab es noch keine Giftspritze, ich sollte auf dem elektrischen Stuhl schmoren. (Das ist übrigens wörtlich zu verstehen: Auf dem elektrischen Stuhl wird man regelrecht gebraten, die Haare brennen und es riecht stark nach brutzelndem Schweinefleisch.) Meine Anwälte sagten mir damals, ich habe keinerlei Chance, der Hinrichtung zu entkommen; sie könnten höchstens versuchen, meinen Tod mit juristischen Manövern und endlosen Berufungen zu verzögern. In dieser Gewissheit lebte ich zweieinhalb Jahre – bis der Europäische Gerichtshof zur allseitigen Überraschung doch noch zu meinen Gunsten entschied. Wer mehr darüber wissen will, der lese mein Buch "Wiederhole schweigend ein Wort".

Nach diesem angeblichen juristischen Sieg beim Europäischen Gerichtshof wurde ich zu doppelt- lebenslanger Haft verurteilt – eine viel grausamere Strafe als der Tod durch die Spritze oder den elektrischen Stuhl. In Amerika gilt "life means life", lebenslänglich bedeutet lebenslänglich, also: bis zum Tod. Ich nenne das Lebenslänglich "Todesstrafe auf Ratenplan", weil beide Strafen mit dem Tod des Gefangenen in staatlicher Obhut enden.

Nur hat man als Todeskandidat den Trost, dass das Leiden bald enden wird. Glauben Sie mir, das ist wirklich ein großer Trost: Ich habe zweieinhalb Jahre damit leben müssen. So oft konnte ich nur weitermachen, weil ich mir selber sagen konnte, es ist ja alles bald vorbei. Doch genau diesen Trost habe ich jetzt nicht mehr. Das Leiden wird nie ein Ende nehmen! 24 ½ Jahre habe ich schon jeden Tag "Scheiße fressen" müssen – denn das ist das Gefangenenleben ja, ein tägliches "Scheißefressen", von morgens früh bis abends spät. Doch ich bin „nur“ 44 Jahre alt, also werde ich wohl 30 weitere Jahre jeden Tag "Scheiße fressen" müssen.

Dabei ist das "Scheißefressen" noch das Mindeste. Viel, viel schlimmer ist die schreckliche Einsamkeit: Den ganzen Tag lang bin ich umgeben - nein, bedrängt! - von Menschen, die bestenfalls keinerlei Interesse an mir haben und schlimmstenfalls mich verachten oder sogar hassen. In der allgegenwärtigen, ständigen lärmenden Masse anderer Gefangener, geschweige denn unter den Wächtern, gibt es keinen einzigen Menschen, der mich liebt – und keinen einzigen, den ich liebe. Wir werden zusammengepfercht, haben aber (vielleicht gerade deswegen!) überhaupt keine echten, warmen, menschlichen Verbindungen zueinander. Wie Billardkugeln prallen wir voneinander ab, kalt und hart – und allein.

Wer so leben - nein, existieren! - muss, der verlernt mit der Zeit die eigene Menschlichkeit: das Gefühl, ein Mensch zu sein. Man wird zur Zahl. Deshalb lautet ja auch der Titel meines Buches "Ein Tag im Leben des 179212", und nicht "Ein Tag im Leben des Jens Söring". Mich, den Mensch Jens Söring, gibt es eigentlich gar nicht mehr.
Und das ist natürlich eine Form des Todes.

Also, auf jeden Fall: Ich habe beides "ausprobieren" dürfen, die zweieinhalb Jahre unter Androhung der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl und die zwei Jahrzehnte der "Hinrichtung auf Ratenplan", lebenslänglich. Ich bin einer der ganz wenigen Menschen, der die beiden tatsächlich vergleichen kann! Und ich sage Ihnen: Ich würde liebend gerne heute, jetzt sofort, bevor ich diesen Satz zu Ende schreibe, hingerichtet werden. Nichts wünsche ich mir mehr als ein Ende des Lebens - so bald wie möglich, bitte, noch diese Minute!

Mir wäre es völlig egal, ob ich dabei qualvoll auf dem elektrischen Stuhl sterben müsste oder relativ schmerzlos durch die Giftspritze. (Auch wäre mir egal, ob das Gift amerikanisch oder britisch ist!) Oder, nein, das stimmt nicht ganz: Eigentlich wünsche ich mir eine möglichst grausige, brutale, blutige, rauchende Hinrichtung – solange sie von möglichst vielen Menschen gesehen würde; am besten "live" im Fernsehen. Ich hätte es gerne, dass andere sehen, was mir in ihrem Namen und im Namen der Justiz angetan wird. Das würde mir eine Art Genugtuung verschaffen.

Dieser Gedanke ist natürlich nicht besonders originell. In Amerika ist längst bekannt, dass die Umstellung der Hinrichtungsmethode vom elektrischen Stuhl zur Giftspritze nicht der Todeskandidaten wegen durchgeführt wurde, sondern der Zuschauer wegen. Es gab in den 80er Jahren nämlich immer wieder Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl, die schief liefen und zu abscheulichen Spektakeln verkamen: Mal quollen die Augäpfel aus den Augenhöhlen hervor, mal fing die Haut an zu brennen, usw. Die Zuschauer, die diesen Hinrichtungen beiwohnten, protestierten und die Justizbehörden merkten: Wenn das so weiter geht, verlieren wir womöglich die öffentliche Unterstützung für die Todesstrafe!

Das durfte natürlich nicht geschehen, also stellte man flugs um auf die Giftspritze. Im Gegensatz zum elektrischen Stuhl läuft eine Hinrichtung mit dieser Methode schön leise und ruhig ab; es ist beinahe so, als ob man zum Arzt geht. Manchmal beklagen sich heutzutage die Zuschauer bei Hinrichtungen mit der Giftspritze sogar, dass diese Art des Todes eigentlich viel zu schmerzlos, viel zu "gut" für die bösen Verbrecher ist. So etwas hören die Justizbehörden gerne, denn das bedeutet, dass sie weiter töten können. In gewisser Hinsicht haben es Gefangene, die hingerichtet werden, tatsächlich gut – denn zumindest ganz am Ende kommen ein paar Zuschauer und sehen sich den Tod an. Doch  bei  Lebenslänglichen, die durch die "Todesstrafe auf Ratenplan" hingerichtet werden, sieht niemand zu. Niemand sieht uns sterben.

Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich schreibe. Mein Buch "Ein Tag im Leben des 179212" könnte genau so gut "Chronik eines in die Länge gezogenen Todes" heißen. Ich möchte, dass jemand mir beim Sterben zuschaut. Ich will, dass man das sieht.
Posted by: AB AT 01:32 pm   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 17 November 2010
Glücklicherweise spricht man endlich auch in Deutschland über die psychischen Leiden von heimkehrenden Soldaten, die im Auslandseinsatz traumatisiert wurden (PTBS, Post-Traumatische Belastungsstörung). Ich schreibe "glücklicherweise", weil mir dieses Thema besonders wichtig ist: Mehrere meiner besten Freunde während der vergangenen 24 ½ Jahre (Stand: Herbst 2010) waren amerikanische Veteranen des Vietnamkriegs, die Anfang der 70er Jahre mit "PTSD" (post-traumatic stress disorder) heimkehrten, keinerlei psychologische Hilfe bekamen, schreckliche Verbrechen begingen und 20 bis 30 Jahre später immer noch im Gefängnis sitzen.

Das Statistikamt des U.S.-Justizministeriums (Bureau of Justice Statistics; U.S. Department of Justice) veröffentlichte vor einigen Jahren eine Studie, der zu Folge im Jahr 2000 – also mehr als 25 Jahre nach Kriegsende – immer noch fast so viele Vietnamveteranen hinter Gittern saßen wie an der Front starben. Lesen Sie diesen Satz bitte noch einmal – das müssen Sie sich einmal ganz klar vorstellen! In "meinem" relativ kleinen Abteil des Buckingham Correctional Centers gibt es einen Veteran des Vietnamkriegs – sowie je einen Veteran der Panama-Invasion in den 80er Jahren, des ersten Golfkriegs Anfang der 90er Jahre, der Somaliainvasion Ende der 90er Jahre und des Irakkriegs Anfang der 2000er. Und das sind nur die mir persönlich bekannten Fälle.

In den Vereinigten Staaten weiß man seit Jahrzehnten, dass ehemalige Soldaten manchmal mit den schrecklichen Erlebnissen im Krieg nicht fertig werden und "PTSD"-bedingt Verbrechen begehen. In den 80er Jahren erfand der Volksmund dafür den Ausdruck "going postal". Viele Veteranen des Vietnamkriegs wurden nämlich nach ihrer Heimkehr Postboten. Jahre später drehten dann einige durch, besorgten sich Schusswaffen (was in den USA ein Leichtes ist) und schossen auf ihre uniformierten "Feinde": die anderen Postboten, herbeieilende Polizisten, und so weiter. Zeitweilig wurde sogar gewitzelt, dass "Postbote" der gefährlichste Beruf in Amerika sei – lustig, nicht wahr?

In meinem vierten amerikanischen Buch, "The Church of the Second Chance – A Faith-based Approach to Prison Reform", steht ein langes Interview mit einem mit mir befreundeten Vietnamveteranen, der vor fast dreißig Jahren eine "going postal" Episode hatte, während der er sich in den Krieg zurückversetzt fühlte und meinte, über ein Telefon militärische Befehle zu erhalten.

In den Vereinigten Staaten ist allseits bekannt, dass das Land seine besonders schwer traumatisierten Soldaten im Gefängnis "endlagert" beziehungsweise entsorgt. Das Gefängnissystem der U.S.-Bundesregierung (Bureau of Prisons) hat sogar eine separate Justizvollzugsanstalt für diesen Zweck, in Pennsylvania. Doch der schlimmste Vorwurf, den man einem amerikanischen Politiker machen kann ist, dass er "soft on crime", also weich bei der Kriminalitätsbekämpfung, sei: siehe meinen Blogeintrag "Die Darstellung von Verbrechen und Kriminalität in den Medien, Teil 1: Wo ist der deutsche Willie Horton?" sowie mein Buch "Ein Tag im Leben des 179212". Also wagt niemand, den traumatisierten und inhaftierten Veteranen Gnade zu zeigen.

Natürlich ist nicht jeder ehemalige Soldat ein Kandidat für "going postal", den meisten gelingt die Wiedereingliederung ins zivile Leben, wenn auch mit Problemen. Ein mit mir befreundeter Journalist hat einen Sohn, der gerade aus Afghanistan heimgekehrt ist, wo er bei einer Spezialeinheit besonders gefährliche Einsätze führte. Der Mann leidet immer noch an "hyper-alertness", einer (im Krieg lebensnotwendigen!) besonders zugespitzten Aufmerksamkeit: Jedes Geräusch lässt ihn zusammenzucken, beim Spaziergang vermutet er hinter jeder Gebäudeecke einen Talib, bevor er ins Bett geht (mit der Pistole griffbereit) muss er den Perimeter kalibrieren, also das Haus verteidigungsbereit machen. Mit der Zeit nimmt die "hyper-alertness" seines Sohnes ab, sagt mir mein Freund, der Journalist. Die beiden gehen oft fischen, denn im Naturpark ist es sehr still, dort gibt es keine Gebäudeecken und man kann potenzielle Feinde von weit her kommen sehen. Da braucht man nicht unbedingt eine Pistole dabei zu haben.

Doch nicht alle heimkehrenden Soldaten haben einen verständnisvollen und hilfsbereiten Vater. Viele amerikanische Veteranen werden nach ihrer Rückkehr obdachlos. Über dieses beschämende Phänomen gab es im bekanntesten Fernsehnachrichten-Journal des Landes, "60 Minutes" (CBS), am 17.10.2010 wieder einen Beitrag. Ändern tut sich daran seit Jahrzehnten natürlich nichts.

All dies kommt nun auf Deutschland zu. Ein Teil der heimkehrenden Soldaten – in Amerika sind es etwa 20%, ähnliches kann man auch für Deutschland erwarten – werden an PTBS leiden. Und ein Teil dieser an PTBS leidenden Soldaten – nicht alle, aber ein Teil – werden an ihren psychischen Leiden scheitern und straffällig werden. Allerhöchst wahrscheinlich sind einige traumatisierte deutsche Veteranen bereits vor Gericht und hinter Gittern gelandet, da Deutschland ja bereits seit acht Jahren im Krieg steht. Verzeihung: nicht im Krieg, sondern in einer bewaffneten Friedensschaffungsmission, oder ähnliches.

Die deutsche Verlogenheit bei der Wortwahl – und diese Verlogenheit ist ja bei Weitem nicht auf die politische Klasse begrenzt – macht mir große Sorgen, weil ich befürchte, dass die Reaktion des deutschen Justizsystems auf straffällig gewordene ehemalige Soldaten ähnlich verlogen sein könnte. Das muss unbedingt vermieden werden, es muss unbedingt Klartext gesprochen werden, damit deutschen Veteranen das Schicksal ihrer amerikanischen Brüder und Schwestern erspart wird.

Die Gefahr ist groß, dass deutsche Organisationen, die heimkehrenden Soldaten helfen wollen, den gleichen Fehler machen könnten, wie ihre amerikanischen Pendants ihn vor Jahrzehnten machten und immer noch wiederholen. In den Vereinigten Staaten wollte und will man - völlig richtigerweise! - öffentliche Sympathie für Veteranen aufbauen. Es ist aber sehr viel leichter, Sympathie für leidende, zum Beispiel obdachlose, Veteranen zu erwerben, als für solche, die wegen PTBS Straftaten begingen. Also haben amerikanische karitative Organisationen und auch die meisten ehemaligen Soldaten selber ganz klare Trennlinien geschaffen: Hier auf dieser Seite sind die bemitleidenswerten, sympathischen, leidenden, "guten" Veteranen, denen geholfen werden muss; und dort, auf jener Seite, sind die "bösen" Veteranen, die straffällig wurden und um die man sich nicht zu kümmern braucht, weil sie im Gefängnis sitzen und deshalb zumindest nicht obdachlos sind. Dieser Schwachsinn muss in Deutschland unbedingt vermieden werden. Gleich von Anfang an müssen deutsche Organisationen, die ehemaligen Soldaten helfen, sowie die deutschen Veteranen selber unbedingt zusammenhalten. Derselbe Korpsgeist, der im Auslandseinsatz Leben gerettet hat, muss auch nach der Heimkehr weiter bestehen und weiter Kameradenleben retten.

Schließlich kann niemand wissen, wer durch PTBS straffällig wird und und wann. Die meisten meiner Freunde hatten nach ihrem Kriegsdienst anfänglich Erfolg bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft, erst einige Jahre später explodierte der Blindgänger im Kopf. Oft spielten Drogen und Alkohol dabei eine wichtige Rolle, denn viele ehemalige Soldaten werden mit ihrer "hyper-alertness" nur mit Hilfe solcher Betäubungsmittel fertig. Wer sich über die Erfahrung amerikanischer Veteranen informiert und mit sich selber ehrlich ist, der wird zugeben, dass es jeden treffen kann – genau wie die Sprengfallen "IED" in Afghanistan. Viele, viele Gefängniswächter, die in Vietnam gekämpft hatten, haben mir gesagt, dass sie die Häftlinge, die auch dort dienten, besser behandeln als gewöhnliche Insassen, weil ihnen klar ist: "Der da, der könnte ich sein. Der könnte ich noch werden, wenn ich nicht aufpasse."

Was muss geschehen? Hier ist mein Maßnahmenkatalog:
1. Wenn ein psychiatrisches Gutachten eine durch militärischen Dienst verursachte post-traumatische Belastungsstörung (PTBS) feststellt,  muss dies vor Gericht als schuldmindernd anerkannt werden. Genau dies ist in Amerika nicht geschehen – mit tragischen Folgen.

2. Psychiatrische Gutachter, Staatsanwälte und Richter müssen an Fortbildungskursen teilnehmen, in denen sie über dieses Phänomen informiert werden. Wenn irgend möglich sollten ehemalige Soldaten dabei selber sprechen: Wer einmal einem Veteran zuhört, der an "hyper-alertness" leidet, der versteht sofort, wie leicht das zu einer Straftat führen könnte.

3. Vorbeugende Maßnahmen, wie zum Beispiel psychologische Therapiezentren und Wiedereingliederungshilfen, müssen ausgebaut werden. Das wird natürlich teuer werden, weswegen solch eine politische Initiative nicht mit moralischen oder humanitären Argumenten gerechtfertigt werden darf. Im Gegenteil, es sollte sehr kühl auf finanzieller Grundlage erklärt werden, warum Militärpsychologen und Jobzentren für Veteranen dem Steuerzahler letztlich viel Geld sparen. Werden nämlich solche vorbeugenden Maßnahmen nicht eingeführt, dann werden einige ehemalige Soldaten PTBS-bedingt straffällig und verursachen dadurch die üblichen, bei aller Kriminalität anfallenden Kosten. Man denke nur an Sachschäden, medizinische Behandlung und Begräbnisse; an die Steuern, die weder Opfer noch Täter zahlen; sowie an die Gehälter von Polizisten, Staatsanwälten, Richtern und -mehrjährig!- Gefängniswächtern. All das kann vermieden werden, wenn man jetzt in die Zukunft deutscher Veteranen investiert.
Die Alternative sitzt in meiner Nachbarzelle: Nathaniel heißt der Mann, er war in der Marine und hat in Somalia und im Nordirak gedient. Dort, im kurdischen Gebiet, hat er Marineinfanteristen eingeflogen, die kurz nach der Landung versehentlich von ihren eigenen Kameraden unter Artilleriebeschuss genommen wurden. Zurückschießen ging natürlich nicht, der "Angreifer" war ja leider die eigene Seite, die U.S.-Artillerie. Nathaniel konnte nichts tun – nur die Körperteile einsammeln und im selben Flugzeug, in denen er die Marineinfanteristen gerade eben hergebracht hatte, gleich wieder abtransportieren. Als harter Kämpfer, zäh wie Leder, brauchte er natürlich keine psychologische Betreuung, so etwas könnte ja auch der Militärkarriere schaden. Dann kehrte er in die USA zurück und entdeckte, dass seine Frau ihn mit einem seiner Bekannten betrogen hatte. In gewisser Weise war Nathaniel also von den eigenen Kameraden unter Beschuss genommen worden, ganz ähnlich wie die Marineinfanteristen im Nordirak. Dieses Mal schoss er allerdings zurück.
Posted by: AB AT 01:15 pm   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 10 November 2010
In diesen Tagen (Ende Oktober / Anfang November 2010) zeigen ARD, Phoenix, EinsPlus und SWR den Dokumentarfilm "Hunger" von Marcus Vetter und Karin Steinberger, produziert von EIKON in Zusammenarbeit mit "Brot für die Welt" und anderen. Die Autoren erzählen in ihrem Film exemplarische Schicksale von verarmten Menschen aus Kenia, Indien, Brasilien, Mauretanien und Haiti, deren Leben vom täglichen Kampf ums Überleben gezeichnet ist. Weil die internationale Lebensmittelindustrie sich darauf konzentriert, den reichen westlichen Ländern Essen im Überfluss zu liefern, wird in unterentwickelten Ländern agrarischer und ökologischer Raubbau betrieben. Wer wusste schon, dass die Massai in Kenia von Durst und Dürre bedroht sind, weil ihr Wasser für eine Rosenfarm für den europäischen Blumenmarkt entzogen wird?

Marcus Vetter hat für seine Dokumentarfilme u. a. den Deutschen Filmpreis gewonnen, die Journalistin Karin Steinberger von der Süddeutschen Zeitung u. a. den Medienpreis für Menschenrechte. Letztere kenne ich übrigens, sie hat vor etwas mehr als drei Jahren den Artikel "Vergessen hinter Gittern" über meinen Fall geschrieben, der auf der Artikel-Seite meiner Website zu lesen ist. Wenn der Film "Hunger" so gut ist wie dieser Artikel, kann ich Ihnen nur raten, sich die DVD zu besorgen: Frau Steinberger hat ein ganz ungewöhnliches Talent, Geschichten von Menschen zu erzählen. (Ich erlaube mir das zu sagen als schriftstellerischer Kollege, der auch versucht das Menschliche an überraschenden Orten zu finden und  - hoffentlich unterhaltsam! - zu beschreiben. Leider darf ich nicht zu den Massai nach Kenia reisen, sondern muss mich mit meinen Mitgefangenen in Virginia begnügen.)

Natürlich kann ich mir Herrn Vetters und Frau Steinbergers Film nicht ansehen, doch die Rezensionen sowie die Beschreibung einer Diskussionsrunde mit den Autoren, Experten und 250 Zuschauern konnte ich lesen. Völlig uninformiert bin ich also nicht, und deswegen möchte ich mich in diesem Blogeintrag zum Thema "Hunger" äußern.

Wer meine Bücher gelesen hat, der weiß oder ahnt zumindest, dass Hunger mittlerweile eine tägliche Realität in virginianischen Gefängnissen ist. Vor einigen Jahren wurde ausgerechnet, dass ein durchschnittlicher Teller Knastfraß etwa 69 Cents kostet – amerikanische Cents, nicht europäische! Versuchen Sie bitte einmal sich vorzustellen, wie viel Essen Sie für 69 amerikanische, also etwa 55 europäische Cents kaufen können. Seitdem sind die Portionen allerdings zweimal radikal gekürzt worden, mit der Begründung, dass Virginia wegen der gegenwärtigen Wirtschaftsflaute ein großes Haushaltsdefizit hat. Mittlerweile sehnen wir Gefangenen uns nach den guten alten Zeiten, also wir noch Fraß im Wert von 55 europäischen Cents bekamen.

Zwei Gefangene, die einander nicht kennen (sich also nicht miteinander absprechen konnten), haben mir erzählt, dass in einem anderen, als besonders schlecht bekannten Gefängnis in Virginia, einige Insassen Oralverkehr haben, um sich damit einen zweiten Teller Essen im Speisesaal zu verdienen. Das kann man glauben oder nicht: Auf jeden Fall kannte ich vor 12 bis 15 Jahren einen Häftling namens "Babydoll", der für Oralverkehr nur etwa $ 1,17 verlangte (eine Schachtel Billig-Zigaretten und einige Teebeutel). So völlig unglaubwürdig ist die Geschichte vom Oralverkehr für einen Teller Essen im Speisesaal also nicht, da könnte etwas dran sein.

Genau wie bei den Massai in Herrn Vetters und Frau Steinbergers Film dreht es sich schließlich auch im Gefängnis immer ums liebe Geld: wer wie viel zahlt, und wofür. Die Massai müssen verdursten, weil Europäer schöne Blumen, die viel Wasser benötigen, aus Kenia importieren wollen. Und ein Knacki wie "Babydoll" muss einen lutschen, weil er in der Wirtschaftsordnung hinter Gittern genauso wenig Wert hat wie die Massai in der internationalen Ökonomie.

Was ich jedoch absolut nicht verstehen kann, ist die in Ihrer Welt anscheinend weit verbreitete Annahme, dass das alles unabsichtlich ist – dass das Leiden der Massai in Kenia und der vielen "Babydolls" im Knast ein ungewolltes Nebenprodukt der freien Marktwirtschaft ist. Ist man in Ihrer Welt wirklich so naiv?

In einem Artikel über die Diskussionsrunde zum Film „Hunger“ stand, dass eine Zuschauerin den Vorschlag machte, Agrarprodukte (auch die Blumen aus Kenia) lokal anzubauen. Denselben Vorschlag habe ich schon oft gelesen in Büchern und Reportagen über ineffiziente Entwicklungshilfe, Brandrodungen im brasilianischen Urwald, und so weiter. Glaubt man in Ihrer Welt tatsächlich, dass man das Problem "Hunger" so leicht lösen könnte? Dass "Hunger" überhaupt ein Problem ist, und nicht ein gewolltes, absichtliches Instrument der Macht?

Bitte kommen Sie mit auf eine kleine Reise in meine Welt, wo wir doofen Ganoven und Gefangenen das alles a bissl klarer sehen.

Anfang des vergangenen Jahrzehnts, als man damit begann, die Qualität des Knastessens und die Portionsgröße zurück zu schrauben, reichte ich viele schriftliche Klagen gegen die beiden Leiter des Speisesaals meines vorherigen Gefängnisses ein. Um mich zu beschwichtigen lud mich einer der Leiter in sein Büro ein und erzählte mir von seiner Karriere, wie sich seine Arbeit während der letzten paar Jahrzehnte verändert hatte. Früher, in den guten alten Zeiten, liefen Gefängnisküchen nach dem Prinzip: "Gebt den Häftlingen so viel und so gutes Essen wie möglich, stellt sie zufrieden, damit es ja keinen Gefängnisaufstand gibt!" Damals war seine Arbeit eine Freude, erzählte mir der Leiter des Speisesaals: Schließlich liebte er das Handwerk des Kochs, und außerdem gab es so viel hochwertiges Essen, dass er sein Gehalt durch organisiertes Klauen und Weiterverkaufen prima verbessern konnte.

Aber dann, Ende der 90er Jahre, kamen die ersten Erbsenzähler vom Hauptquartier der Strafvollzugsbehörde, und sie kamen immer wieder und wieder, bis jeder Teller Knastfraß nur noch 69 amerikanische Cents kostete. Die Qualität des Essens war mies, die Portionen winzig (ganz genau 2.200 Kalorien pro Mann und Tag, wenn man jeden Krümel auf jedem Teller isst), seine Arbeit war langweilig, und zu klauen gab es auch nichts mehr, weil Menschen in der freien Welt das Essen, was man uns heutzutage auftischte, nie anrühren würden. Jeden Tag spiele er mit dem Gedanken hinzuschmeißen, sagte mir der Leiter des Speisesaals.

Diese Entwicklung beim Management der Speisesäle virginianischer Gefängnisse ist zwar sehr interessant, darf aber nicht gesondert betrachtet werden.

Just im gleichen Zeitraum, während dem die Qualität des Essens und die Portionsgröße zurückgeschraubt wurden, wurden nämlich sämtliche Gefängnisläden in den rund 45 Haftanstalten des Bundesstaats Virginia privatisiert. Die Firma "Keefe" aus dem Bundesstaat Missouri erwarb das Recht, den 32.000 bis 36.000 Insassen Virginias Ausschussware zum Höchstpreis zu verkaufen, mit allgemeinen Preiserhöhungen von 10% alle sechs Monate. Da wir Gefangenen ausschließlich bei "Keefe" einkaufen müssen, bleibt uns gar keine Wahl, als die winzigen Gehälter von unseren Knastjobs jeden Monat beim "Keefe"-Laden auszugeben – und regelmäßige Bittbriefe an unsere Familienmitglieder und Freunde zu schreiben, damit sie uns mehr Geld schicken mögen. Geschenkpäckchen von Familienmitgliedern sind natürlich verboten, denn daran könnte "Keefe" ja kein Geld verdienen. Doch das Überweisen von Geld an uns inhaftierte Kunden geht heutzutage sogar über das Internet, bei www.jpay.com.

Bestimmt überrascht es Sie nicht, dass die Strafvollzugsbehörde Virginias an diesem hochprofitablen Geschäft finanziell beteiligt ist. Jedes Jahr bekommt die Regierung mehrere Millionen Dollar von "Keefe", abhängend davon, wie viel wir Häftlinge im Gefängnisladen ausgeben. Für die Strafvollzugsbehörde gibt es also einen direkten wirtschaftlichen Anreiz, "Keefes" Gewinnmarge zu vergrößern: Je mehr "Keefe" verdient, desto mehr bekommt Virginia.

Glauben Sie wirklich, dass es reiner Zufall ist, dass uns Insassen das Essen im Speisesaal genau in dem Augenblick radikal gekürzt wurde, als die Strafvollzugsbehörde sich mit "Keefe" zusammentat, um uns (und unseren Familienmitgliedern) überteuertes Essen im Gefängnisladen zu verkaufen? Je hungriger wir Gefangenen sind, nachdem wir eine 69-Cent-Mahlzeit gegessen haben, je eiliger schreiben wir unseren Familienmitgliedern, um sie um Geld anzubetteln. Hier im Gefängnis ist Hunger also tatsächlich ein gewolltes, absichtliches Instrument der Macht, das dazu eingesetzt wird, um Geld zu verdienen.

Aber nicht nur das. In meinem vorherigen Gefängnis hatte ich einen Kontakt, der mir ziemlich regelmäßig das normalerweise verbotene Magazin "Corrections Today" beschaffte. Dieses Magazin wird von der American Correctional Association, der offiziellen Lobbyistenorganisation der Gefängnisindustrie, veröffentlicht; wer mehr darüber wissen will, der lese meinen Artikel "Correctional Capitalism in the Land of the Free", auf der "Artikel"-Seite meiner Website. Auf den Seiten von "Corrections Today" wird Reklame gemacht für alle möglichen Produkte, die die Gefängnisindustrie braucht: Stacheldraht, Pfefferspray, Überwachungskameras und vieles, vieles mehr.

Ein Inserat aus dem Magazin ist in diesem Zusammenhang ganz interessant: Eine Firma bot Strafvollzugsbehörden an, „ihren“ Insassen Hamburger zu verkaufen. Dafür lieferte die Firma zwei Begründungen: Erstens würde sie die jeweilige Strafvollzugsbehörde am finanziellen Gewinn beteiligen, ganz wie "Keefe" es mit den Gefängnisläden tut; und zweitens seien die Hamburger ein weiteres Kontrollinstrument, mit dem Häftlinge dazu gebracht werden könnten, sich besser zu benehmen. Denn nur jene Gefangenen, die sich gut benehmen, erwerben durch ihre gute Führung das Recht, ihr eigenes Geld für Hamburger auszugeben! Was für eine wunderbare Idee, nicht wahr?

Das ganze System basiert natürlich auf Hunger. Früher, in den 80er und 90er Jahren, gab es jede Woche im Speisesaal des Gefängnisses nicht nur einen sondern zwei Hamburger, mit Pommes frites. Zu jenen Zeiten hätte kein Insasse sein eigenes Geld für einen Hamburger ausgegeben – warum? Im Gegensatz dazu gibt es heutzutage überhaupt keine Hamburger mehr, nur ein kleines, dröges, graues Scheibchen, das aus einer Mixtur von Soja und Truthahnabfall (Haut, Knochen, Federn) besteht und nach Sägemehl schmeckt. Und es gibt nur eines dieser Scheibchen, nicht zwei. Unter den heutigen Umständen wäre ein echter Hamburger wirklich ein Luxus.

Für einen richtigen, echten Hamburger würde selbst ich einen Bittbrief schreiben, um meine Freunde um Geld zu bitten. Und ich würde mich auch gut benehmen, um das Recht zu erwerben, das Geld ausgeben zu dürfen. Natürlich würde ich mich wahnsinnig darüber ärgern, dass ich meine eigene Versklavung mitfinanziere: Es ist widerwärtig und abscheulich, dass ich mich mit meinem eigenen Geld selber knechte, beziehungsweise knechten würde – wenn es dieses wunderbare Angebot bloß in Virginia gäbe! Ach, wie schön wäre es, wenn…

Natürlich finden Sie das alles beschämend, natürlich fragen Sie sich: Wie kann dieser Söring, der doch Autor von fünf Büchern ist und ein relativ intelligenter und sensibler Mensch zu sein scheint, so moralisch schwach sein? Könnte dieser Söring nicht ein wenig Disziplin an den Tag legen, sich zusammenreißen, aufhören von einem lächerlichen Hamburger zu schwärmen? Peinlich, peinlich…

Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich gerade eben, vor etwa 15 Minuten, aus dem Speisesaal des Gefängnisses kam, wo es zum Abendessen eines dieser winzigen Sägemehlscheibchen gab. Ich habe es gegessen, und fast alles andere auf dem Teller auch – aber ich bin immer noch hungrig! Richtiger, echter Hunger!

Bei fast jeder Mahlzeit ist das so: Ich, und alle anderen Insassen, verlassen den Speisesaal und sind immer noch hungrig. Wir gehen zurück zum Wohnabteil und essen dort den zweiten Teil unserer Mahlzeit, den Teil, den wir uns im "Keefe"-Laden gekauft haben. Für mich waren das gerade eben, vor einigen Minuten, ein paar Brezeln aus der Plastiktüte: Die sind schön billig, außerdem ist es gerade das Ende des Monats, da ist das Geld und der Essensvorrat etwas knapp. Es ist eben Hungeressen – so nennen wir Häftlinge besonders billiges Essen wie Brezeln oder ein Päckchen Suppennudeln oder ein Päckchen Popcorn, wir nennen es "famine food".

Ich habe seit etwa acht Jahren keinen echten Hamburger mehr gegessen. Ein echter Hamburger! Oh…

Erlauben Sie mir also, mich in leicht veränderter Form zu wiederholen: Im Gefängnis ist Hunger tatsächlich ein gewolltes, absichtliches Instrument der Macht. Damit wird Geld verdient, klar, aber nicht nur das: Es wird auch Kontrolle ausgeübt, es wird Verhalten und Benehmen gesteuert.

Hunger ist Macht. Hunger ist Geld. Hunger ist Gewalt.

Und nun möchte ich auf Marcus Vetters und Karin Steinbergers Film „Hunger“ zurückkommen, besonders auf die Diskussionsrunde, wo der Vorschlag gemacht wurde, Agrarprodukte lokal anzubauen, damit den Massai in Kenia nicht das Wasser weggenommen wird, um Rosen für den europäischen Blumenmarkt wachsen zu lassen. Dort oben fragte ich, ob man in Ihrer Welt tatsächlich glaube, dass man das Problem "Hunger" so leicht lösen könnte?

Ich jedenfalls glaube es nicht. Ich glaube, dass meine Welt gar nicht so anders ist wie Ihre, wie die Welt der europäischen Blumen und der kenianischen Massai. Ich glaube, der Hunger in Kenia – die Dürre, der Durst – ist keineswegs ein unabsichtliches, bedauerliches Nebenprodukt der freien Marktwirtschaft, sondern ein gewollter Hauptbestandteil der internationalen ökonomischen Ordnung. Genau wie bei mir im Gefängnis, wo das "Keefe"-Geschäft nur deshalb so wunderbar läuft, weil man uns Häftlinge im Speisesaal 69-US-Cent-Mahlzeiten aus Sägemehl-Scheibchen gibt!

Hunger ist notwendig. Hunger wird gebraucht, um Insassen das Geld aus der Tasche zu ziehen und sie unter Kontrolle zu halten. Und in Ihrer Welt, der "freien", wird Hunger auch gebraucht, auch dort ist Hunger notwendig. Nicht um den Massai das Geld aus der Tasche zu ziehen, denn sie haben keines. Nicht um die Massai unter Kontrolle zu halten, denn wen schert es schon, was die dort in Kenia treiben.

Nein, ich glaube Hunger ist in Ihrer Welt notwendig, um Ihnen, den reichen Europäern, das Geld aus der Tasche zu ziehen – um Sie, die Sie in Paris und Stuttgart protestieren, unter Kontrolle zu halten. Die Waffe, die Macht des Hungers ist auf Sie gerichtet, meine ich jedenfalls.    

Deshalb wird das "Problem" des Hungers nicht gelöst werden, schon gar nicht durch den lokalen Anbau von Agrarprodukten. Hunger ist kein "Problem", Hunger ist die Peitsche, die Sie alle auf Trab hält. Hunger darf nicht verschwinden.

Stellen Sie sich nun vor, Marcus Vetter und Karin Steinberger wollten einen zweiten Dokumentarfilm drehen, "Hunger II", in dem die beiden untersuchen, wem genau dadurch gedient ist, dass die Massai verdursten. Meinen Sie, solch ein Film würde erlaubt werden?

Und wenn er erlaubt würde, meinen Sie, es würden sich Zuschauer finden? Ich glaube nicht. Genau wie ich bereit wäre, mich gut zu benehmen und mein eigenes Geld auszugeben, um einen echten Hamburger zu kaufen – genau so wollen Sie nicht all zu genau wissen, wie der Hunger in Entwicklungsländern dazu benutzt wird, um die internationale Wirtschaftsordnung aufrecht und die reichen Industrienationen an der Macht zu halten. In der globalisierten Ökonomie ist nämlich Amerika mit der virginianischen Strafvollzugsbehörde zu vergleichen, Deutschland wäre das Pendant zum "Keefe"-Laden, und die Massai haben die Rolle der Insassen inne. Der Hunger in Kenia dient Deutschland bestens, er dient auch Ihnen. Und das will natürlich niemand so genau wissen.

Zum Abschluss möchte ich einen konkreten Vorschlag zum Kampf gegen den Hunger machen: Klicken Sie hier, auf meine "Kontakt"-Seite, und überweisen Sie mir Geld! Ich danke Ihnen im Namen der Massai!
Posted by: BF AT 02:43 am   |  Permalink   |  Email
Wednesday, 03 November 2010
(Bitte lesen Sie zunächst Teil 1 dieser Serie, wenn Sie wissen möchten, warum ich dieses Thema für so wichtig halte.)

In den Vereinigten Staaten hat sich die Darstellung von Mördern in den beliebtesten Fernsehserien während der vergangenen 25 Jahre entschieden verändert. Vielleicht fällt so etwas nur einem Menschen wie mir auf: also jemandem, der die letzten 24 ½ Jahre (Stand: Herbst 2010) für einen Doppelmord in amerikanischen Gefängnissen verbracht hat. Meiner Meinung nach sagt diese Entwicklung jedoch sehr Wichtiges über die US-Gesellschaft als ganze und die amerikanische Rechtspolitik im Besonderen aus. Und natürlich frage ich mich, ob ein ähnlicher Trend auch in Deutschland festzustellen ist.

Warum halte ich Fernsehkrimis für so einflussreich? Weil Medienwissenschaftler längst wissen, dass die meisten Menschen ihre "Information", ihre politische Orientierung und sogar ihr Weltbild von einer Vielfalt von Unterhaltungssendungen zusammenziehen, nicht aus der Zeitung oder den Abendnachrichten. Der Mensch lernt viel besser und schneller, wenn ihm der Lernstoff in der Form einer interessanten Geschichte vermittelt wird; das weiß jeder Lehrer und mittlerweile auch jeder Medienmanager und Politiker. Wer die öffentliche Meinung zu Verbrechern und Kriminalität verstehen will, sollte also eher "Tatort" untersuchen, als Statistiken über tatsächliche Straftaten.

Nun zu der Entwicklung in der Darstellung von Mördern, die ich meine, in Amerika entdeckt zu haben.

In den 80er Jahren war "Matlock" eine der beliebtesten Fernsehserien in den Vereinigten Staaten. Der Schauspieler Andy Griffith stellte einen Strafverteidiger um die 60 dar, der mit Hilfe seiner viel jüngeren und attraktiven Assistentinnen unweigerlich den wahren Mörder entdeckte und seinen unschuldigen Mandanten entlastete. Für den Zuschauer war das Interessante dabei, den tatsächlichen Mörder zu erraten: War es sein Geschäftspartner? Oder seine Sekretärin?

Natürlich waren Anwalt Matlocks Mandanten alle Mitglieder der gehobenen Mittelschicht, sonst hätten Sie sich einen privaten Juristen gar nicht leisten können. Also waren alle anderen Verdächtigen und letztlich der Mörder selber auch rechtschaffene, anscheinend "normale" Bürger. Was den Zuschauern hier vermittelt wurde: Mörder sind zumindest äußerlich genau wie alle anderen Menschen, sie sind in gewisser Weise wie wir.

Das Einzige, was Matlocks Mandanten von den Nachbarn der Fernsehzuschauer unterscheidet, ist, dass sie den letzten Schritt machen, der den allermeisten Menschen gelegentlich durch den Kopf geht, aber den nur die allerwenigsten tatsächlich durchführen. Zum Beispiel das Ehepaar nebenan, von dem alle wissen, dass der Mann seine Frau mit seiner Sekretärin betrügt: Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wann die Ehefrau endlich durchdreht und ihren Ehemann - oder seine Sekretärin - oder beide - aus dem Weg schafft? Bei „Matlock“ kann man ja sehen, dass so etwas eben manchmal geschieht!

In den 90er Jahren war die beliebteste Krimiserie in Amerika die Sendung "Murder, She Wrote". Die Schauspielerin Angela Lansbury stellte die Schriftstellerin Jessica Fletcher dar - übrigens wie der Anwalt Matlock um die 60 -, die Detektivromane schrieb und nebenbei echte Mordfälle löste, also vergleichbar mit Agatha Christies Miss Marple. Wie in der Sendung "Matlock" stammten auch bei "Murder, She Wrote" die Amateurdetektive selber, die vielen Verdächtigen und letztlich der Mörder aus der gehobenen Mittelschicht. Wieder wurde den Zuschauern dadurch vermittelt: Mörder sind zumindest äußerlich von anderen Menschen gar nicht zu unterscheiden, auf den ersten und vielleicht sogar zweiten Blick sind sie wie wir.

Des Weiteren möchte ich hier noch anmerken, dass weder der Anwalt Matlock noch die Schriftstellerin Fletcher in diesen beiden Fernsehserien von Beruf Polizisten oder FBI-Agenten oder ähnliches waren, sondern Amateure. Weder Strafverteidiger noch Autoren sind dazu ausgebildet, Verbrechen zu untersuchen und Mörder ausfindig zu machen - doch diesen beiden gelang das jede Woche und zwar besser als der Polizei. In beiden Fernsehserien wurden die professionellen Kriminalbeamten meist als Tolpatsche porträtiert, die unweigerlich einen Unschuldigen verhaften, den die beiden Amateurdetektive dann befreien mussten, indem Sie den wahren Mörder entlarvten.

So weit, so gut. Im Jahr 2000 entschloss ich mich, kein Fernsehen mehr zu sehen - außer einer halben Stunde Abendnachrichten und gelegentlich das Nachrichtenjournal "60 Minutes" am Sonntag. (Die Gründe für meine mediale Enthaltsamkeit habe ich in meinen Büchern erklärt und sind hier nicht weiter wichtig.) Anfang 2009, also nach etwas mehr als neun Jahren fing ich dann an, wieder ein wenig Unterhaltungsfernsehen zu sehen. Heutzutage sehe ich keine Abendnachrichten mehr, schaue dafür aber etwa eine Stunde von 20:00 bis 21:00 Uhr - also meistens Krimiserien. (Über Sendungen, die nach 21:00 Uhr ausgestrahlt werden, habe ich mich durch das Magazin "TV Guide" und meine Mitgefangenen informiert.)

Kurz zusammengefasst: Die Fersehkrimilandschaft hat sich seit den 90er Jahren radikal verändert. Zum Beispiel gibt es keine einzige Serie mit einem Amateurdetektiv mehr, die Aufdeckung von Morden wird ausnahmslos den Profis überlassen. Im Gegensatz zu "Matlock" und "Murder, She Wrote" sind die heutigen TV-Kriminalbeamten auch keine Tolpatsche mehr, die erst einmal einen Unschuldigen verhaften, der dann befreit werden muss; nein, auf beruflicher Ebene sind sie geradezu perfekt. (Weil das natürlich unrealistisch ist, werden den fiktiven Kripos zum Ausgleich persönliche Schwächen gegeben: eine miese Ehre, Alkoholismus, usw.) Das ändert aber nichts daran, dass ihre professionelle Fehlerquote null ist! Nebenbei: Im Jahr 2004 veröffentlichen zwei Wissenschaftler von der renommierten Nordwestern University eine Studie, derzufolge 1,3% aller Gefangenen unschuldig sind. Bei einer derzeitigen Gefängnisbevölkerung von 2,38 Millionen wären das 30940 Unschuldige hinter Gittern. Wie gesagt: nur nebenbei...)

Was die heutigen TV-Polizisten von dem Anwalt Matlock und der Schriftstellerin Jessica Fletcher unterscheidet, ist, dass sie Mordfälle nicht mehr durch die Erforschung von Tatmotiven wie Eifersucht, Habgier oder Rache lösen, sondern ausschließlich durch sog. forensische Wissenschaften, meist DNS-Analyse. Das halte ich für wichtig, weil die Amateurdetektive aus den 80er und 90er Jahren sich mit den menschlichen Schwächen und Persönlichkeiten der Täter befassen mussten – nur so konnten sie die wahren Mörder ausfindig machen – und konnten bzw. mussten auf diese Weise ein gewisses Verständnis für die Täter entwickeln. Im Gegensatz dazu muss man beim Durchführen eines DNS-Tests den Mörder weder verstehen noch kennen, er ist eigentlich kein Mensch, sondern nur ein Tropfen Blut.

Ich sehe eine Verbindung der heutigen forensischen TV-Detektive und der völlig anderen Darstellung der fiktiven Täter. Bei "Matlock" und "Murder, She Wrote" stammten der Jurist Matlock, die Autorin Jessica Fletcher, die Verdächtigen und die Mörder alle aus der gleichen sozialen Schicht. Bis zum (meist Überraschungs-) Ende der Episode wusste der Zuschauer meist nicht, wer überhaupt schuldig war: Es könnte genau so gut der Ehemann oder der Geschäftspartner oder der Arzt gewesen sein. Oft war der Schuldige derjenige, der am wenigsten wie ein Mörder aussah: der Pfarrer, der schüchterne Buchhalter, der ehrwürdige Richter. Das war doch das Spannende, fast jeder konnte der Mörder sein!

Heutzutage sieht das ganz anders aus: Meistens weiß der Zuschauer vom Anfang der einstündigen Sendung an, wer der Mörder ist. In abwechselnden Handlungsfäden sieht der Zuschauer die Kripobeamten im Labor beim Testen verschiedener Beweismaterialien, sowie den Täter auf der Flucht, wobei er natürlich weitere abscheuliche Verbrechen begeht. Am Ende der Sendung treffen die zwei Handlungsfäden aufeinander bei der Verhaftung des unweigerlich Schuldigen.

Es gibt keinerlei Versuch auf Seiten der fiktiven Polizisten, die Tatmotive zu verstehen, weil dies zur Lösung des Falles unnötig ist: DNS ist das A und O! Außerdem sind die Tatmotive auch nicht mehr oder weniger verständliche menschliche Schwächen wie Eifersucht, Habgier, oder Rache; heutzutage sind TV-Mörder fast immer Bestien, die aus sexueller Perversion oder einfach nur Lust am Töten ihre Opfer abschlachten. Als Zuschauer kann man sich in die heutigen fiktiven Täter natürlich nicht mehr hineinversetzen. Man denkt nicht mehr: In gewisser Weise sind sie nicht wie wir, sondern: Igitt! Auch das Aussehen der Mörder dient der Abgrenzung: Nicht die elegant gekleidete, aber innerlich kaputte anwaltliche Kollegin des Herrn Matlock ist schuldig, sondern der unrasierte, verlotterte, stotternde Wiederholungstäter, dem man sofort ansehen kann, dass er irgendetwas verbrochen hat. (Nebenbei: Nur etwa 10% aller Verbrecher haben DNS-auswertbare Beweismaterialien, man kann die allermeisten Morde also gar nicht mit der im Fernsehen dargestellten, rein forensischen Ermittlungsmethode aufklären. Und noch etwas nebenbei: Nur eine verschwindend kleine Zahl von Mördern handelt aus sexueller Perversion oder Lust am Töten. In meiner 24 ½ - jährigen Gefängniskarriere habe ich mehrere hundert Killer kennen gelernt und meine, mich auf diesem Gebiet ganz gut auszukennen. Ich schätze, dass weniger als 5% aller Mörder vom Typ „menschliche Bestie“ sind. Fast alle Tötungsdelikte werden aus verständlichen Motiven wie Wut begangen – im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen, die eine enthemmende Wirkung haben. Diese Kombination von starken Emotionen und bewusstseinsverändernden Mitteln kann zu schrecklichen Taten führen – aber die Täter sind vorher und nachher erstaunlich „normale“ Menschen. Bei „Matlock“ und "Murder, She Wrote" wurde diese Einsicht in die "Banalität des Bösen" unterhaltsam aufbereitet, doch bei den heutigen Fersehkrimis ist sie vergessen bzw. absichtlich ausgeblendet worden.)

Die Tatsache, dass TV-Mörder heutzutage als unmenschliche Bestien, als existenziell "anders", dargestellt werden, hat (mindestens) zwei interessante Folgen: Erstens dürfen Fersehdetektive die fiktiven Täter heute auf brutalste Weise misshandeln und immer öfter - natürlich „auf Flucht“ oder "in Notwehr" - töten. Dieses Phänomen begann sich in der Mitte der 90er Jahre über die beliebte Sendung "NYPD Blue" auszubreiten: Dort verprügelte der Polizist Andy Sipowicz Verdächtige beim Verhör mit einem Telefonbuch, weil das sehr schmerzhaft ist, aber keine Wunden hinterlässt. Zwölf bis fünfzehn Jahre später werden Verdächtige regelmäßig angeschossen; dann wird mit dem Finger in der blutenden Wunde gebohrt, bis das Scheusal gesteht; und zuletzt wird das Geständnis auf Video "freiwillig" wiederholt. Wenn bloß der Anwalt Matlock von dieser Methode gewusst hätte, dann hätte er seine Fälle in 10 Minuten statt einer Stunde lösen können!

Die zweite Folge der neuzeitlichen Darstellung von Fernsehkillern ist, dass die TV-Kripos immer öfter die privaten Racheakte von Verbrechensopfern gut heißen und verdecken. In den letzten zwei oder drei Monaten (Stand: Herbst 2010) habe ich dieses Phänomen bei Krimis auf allen vier großen Netzwerken (CBS, ABC, NBC, FOX) entdeckt, manchmal sogar als Hauptelement der Handlung: die scheinbare Täterin entpuppt sich am Ende als ein Opfer, das sich bloß rächt. Das vermeintliche Opfer war der tatsächliche Täter und hat seine Strafe verdient - "Happy End"! Statt diese Lynchjustiz zu ächten, klatschen die Polizisten Beifall und lassen den Racheengel laufen. Man stelle sich vor, bei "Murder, She Wrote" hätte die Schriftstellerin Jessica Fletcher eine Pistole gezückt und selber für Gerechtigkeit gesorgt!

Sowohl das Foltern und Töten von Verdächtigen durch die Polizei, als auch die amtlich abgesegnete Privatjustiz sind natürlich nur denkbar, weil die angeblichen Täter rigoros entmenschlicht worden sind. Bestien darf man eben alles antun.

Und damit sind wir beim sozialen Nutzen der veränderten Darstellung von Mördern im Unterhaltungsfernsehen angekommen. Aus der Sicht von echten Staatsanwälten und Polizisten ist es doch sehr hilfreich, wenn Wähler (in Amerika werden die meisten Staatsanwälte und Sheriffs gewählt) und potenzielle Geschworene (in den USA hat man immer noch das Recht auf einen Prozess mit einer Jury) medial indoktriniert werden. Ein Wähler oder Geschworener, der dem Denkschema "Matlock" verhaftet ist, bekommt womöglich Mitleid mit dem Angeklagten und vermutet vielleicht, dass die tolpatschigen Polizisten den Falschen verhaftet haben – ganz wie im Fernsehen.

Doch ein Wähler oder Geschworener, der die Welt so sieht, wie sie in den heutigen Fersehkrimis dargestellt wird, der "weiß" (!), dass die Polizei nie Fehler macht und der Angeklagte eine Bestie ist (weswegen man ihn ja auch foltern musste, bevor er gestand). Also, wenn ich ein Staatsanwalt oder Sheriff wäre, würde ich mir die heutigen Unterhaltungssendungen wünschen, nicht den gefährlich "waschlappigen" Quatsch von "Murder She Wrote".

Nun habe ich ja die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten verbracht, weiß also vom deutschen Fernsehen so gut wie nichts. Das ist auch nicht nötig, denn ich möchte Ihnen hier nur einen Denkanstoß geben, eine Vorlage zur Analyse bundesrepublikanischer TV-Krimis. Wie werden Mörder in deutschen Unterhaltungssendungen dargestellt? Hat es da eine ähnliche Entwicklung gegeben wie in Amerika? Und wenn ja, wem dient das?

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Posted by: AB AT 11:55 am   |  Permalink   |  Email

11-minütiger Ausschnitt aus dem ZDFzoom-Beitrag

Keine Gnade für Häftling 179212?
ZDFzoom, 29. Juni 2013

Die Szenen mit den Aussagen der ehemaligen stellv. Generalstaatsanwältin von Virginia Gail Marshall und dem ehemaligen Ermitler Major Ricky Gardner im Original auf youtube.com

Den ganzen Beitrag finden Sie auf TV-Berichte



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